Berlin - Im Ringen um ein nationales Energiekonzept wird die Auseinandersetzung über Atomstrom, Kohle- und Ökoenergie immer schärfer. Nach Angaben namhafter Wissenschaftler könnte der Weiterbau von Kohlekraftwerken den von der schwarz-gelben Bundesregierung angekündigten Klimaschutz erheblich gefährden. Experten rieten stattdessen, in erneuerbare Energien zu investieren, berichtet das ZDF-Magazin «Frontal» am Dienstagabend.
Der Kieler Professor Olav Hohmeyer vom Umweltbeirat der Bundesregierung sagte: «Die Energiekonzerne bauen wild drauf los, solange sie noch bauen dürfen. Sie wollen jetzt Tatsachen schaffen, um ihre Monopole zu sichern.»
Die Experten raten, in den Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind, Erdwärme oder Photovoltaik zu investieren. Die Stromversorgung könne für eine Übergangszeit mit billigeren Gaskraftwerken sichergestellt werden, die im Vergleich zur Kohle nur die Hälfte der klimaschädlichen Treibhausgase verursachen. «Leider aber wird die Entwicklung der erneuerbaren Energien massiv behindert, wenn jetzt die großen Kohlekraftwerke gebaut werden», sagte Hohmeyer.
Nach Angaben der Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der Bau der Kohleanlagen wegen des drohenden Preisanstiegs beim CO2-Zertifikate-Handel wirtschaftlich «unverantwortlich». Am Ende bezahle der Verbraucher die Fehlinvestitionen, sagte Kemfert dem Magazin.
Im aktuellen Programm der Kraftwerkserneuerung sind laut «Frontal» derzeit zehn Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von rund 11 000 Megawatt im Bau. Hinzu komme ein Dutzend weiterer Kohlanlagen, die bis 2020 in Betrieb gehen sollten. Durch die neuen Kraftwerke werde die Umwelt mit zusätzlich 100 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr belastet.
Korrekturen an Röttgens Solarförder-Paket in Sicht
Schneller als über den künftigen Energiemix von Kohle, Atomkraft, Erdöl und Erdgas will die Koalition in Kürze über die von Umweltminister Norbert Röttgen geplanten Kürzungen der Solarförderung entscheiden. Die Fraktionen wollen noch an einzelnen Stellschrauben drehen. Das Kabinett soll dem Vernehmen nach Anfang Februar über die Gesetzesvorlage des Ministers beraten.
Diese sieht - nach der schon erfolgten Kürzung des Solarstroms Anfang 2010 um 9 Cent je Kilowattstunde - im bisherigen Rohentwurf einen weiteren Abschlag um 15 Cent zum 1. April für Dachanlagen und von Juni an auch für Freiflächen-Anlagen vor. Letztere sollen aber mit weiteren zehn Cent befrachtet werden, wenn sie auf Ackerflächen montiert sind. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich sagte: «Wir halten die Fristen für nicht ausreichend.» Die Anleger brauchten Vertrauensschutz. Bei zur Zeit 20 Prozent Rendite seien aber Kürzungen erforderlich.
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