Berlin - Der rheinländische Bundestagsabgeordnete Norbert Röttgen (CDU) liebt Herausforderungen. Ab sofort sitzt der enge Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als Umweltminister im neuen schwarz-gelben Bundeskabinett.
Der 44-jährige kann sich keine Eingewöhnungszeit in seinem Amt leisten - schließlich beginnt in 40 Tagen der Weltklimagipfel in Kopenhagen. Auf dem Spiel steht nicht weniger als der Erfolg für ein dringend notwendiges neues Abkommen zur Eindämmung der Erderwärmung. Ein Scheitern zu verhindern verlangt Geschick im Tauziehen mit den USA und China, denen beim Treibhausgas-Ausstoß erhebliche Zugeständnisse abzutrotzen sind.
Der Vater von drei Kindern übernimmt das Umweltressort von Sigmar Gabriel (SPD) als Öko-«Neuling», auch wenn Röttgen in frühen Bonner Tagen unkonventionell schon Kontakte zu den Grünen suchte. Eher hätte man nach seiner intensiven Beschäftigung mit der Finanz- und Wirtschaftskrise erwarten können, dass Merkel den Parlamentarischen Fraktions- Geschäftsführer zum Wirtschaftsminister macht. Doch dieser Job ging im Parteienproporz an den FDP-Mann Rainer Brüderle.
Nun gilt es, eine vielleicht noch größere Krise für die Menschheit - den fortschreitenden Klimawandel - abzuwenden. Neben dem von der neuen Koalition anerkannten Ökoenergie-Ausbau - bei Solarstrom will Schwarz-Gelb die Förderung jedoch einschränken - wird es auf ehrgeizige Energieeinsparungen ankommen. Beim überfälligen Energieeffizienz-Gesetz wird Röttgen, der als Hoffnungsträger der CDU gilt, beim fachlich zuständigen Brüderle unter anderem auf Anreize zum Kauf stromsparender Geräte dringen müssen.
Mit seiner Ernennung zum Umweltminister wandelt der Rheinländer, der am 27. September im Rhein-Sieg-Kreis südlich von Bonn sein Direkt-Bundestagsmandat verteidigt hatte, in großen Spuren. Schon seine Amtsvorgänger Gabriel (2005-2009), Jürgen Trittin (1998 bis 2005), Merkel (1994 bis 1998) sowie Klaus Töpfer (1987 bis 1994) haben sich Meriten im Umwelt- und Klimaschutz erworben und die Zähne an internationalen Klimaverhandlungen ausgebissen.
Musste einst Töpfer die Umweltpolitik in der Union erst hoffähig machen, hat Röttgen im Sinne von Merkel die Chance, diesem Feld neues CDU-Profil zu geben und damit künftig auch Bündnissen mit den Grünen auf Bundesebene den Weg zu ebnen. Ex-Wirtschaftsstaatssekretär Rezzo Schlauch meinte kürzlich bei einer Wahlveranstaltung am Bodensee: «Er ist einer der Besten, die die Union hat.»
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