Potsdam - Auf den Report des Weltklimaberichts 2007 folgten weitere aufrüttelnden Daten.
Aus Sicht von Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wird der Kampf gegen den Klimawandel immer mehr ein Wettlauf mit der Zeit. Anlässlich der UN-Klimakonferenz im polnischen Posen (1. bis 12. Dezember) mahnt er zu harten Zielen beim Klimaschutz.
Welche neuen, bedeutenden Folgen des Klimawandels sehen Sie als Ozeanforscher?
Im Jahr 2007 schmolz das arktische Eis auf ein absolutes und so nicht vorhergesehenes Rekordminimum. Der Meeresspiegel steigt seit Jahrzehnten stärker als vom Weltklimarat vorhergesagt. Die Holländische Delta-Kommission kommt in einem Report auf bis zu 1,10 Meter Anstieg bis zum Jahr 2100 und 3,50 Meter bis 2200. In meiner kürzlich im Journal «Science» veröffentlichen Studie berechnete ich einen Anstieg von 50 bis 140 Zentimeter bis zum Jahr 2100. Steigt die globale Temperatur um mehr als zwei Grad, könnte der gesamte grönländische Eisschild verschwinden. Ab einem gewissen Punkt wäre die Eisschmelze nicht mehr aufhaltbar, weil die Eisoberfläche in immer tiefere Luftschichten gelangt, die wärmer sind. Damit könnte der Meeresspiegel innerhalb von Jahrhunderten um sieben Meter steigen.
Wo liegen die Grenzen des noch verträglichen Ausstoßes an Treibhausgasen?
Die Konzentration an Treibhausgasen in der Luft sollte 450 ppm (Teile pro Millionen Teile) an Kohlendioxid-Äquivalent nicht längerfristig überschreiten. Nur so kann eine Erwärmung um mehr als zwei Grad vermieden werden. Der weltweite Treibhausgasausstoß muss dazu bis 2050 um mindestens 50 Prozent reduziert werden. Wenn man dies auf die Weltbevölkerung umlegt, dann darf jeder Mensch nur zwei Tonnen Kohlendioxid pro Jahr produzieren. Industriestaaten wie Deutschland müssen ihren Treibhausgasausstoß von heute an folglich um rund 80 Prozent bis 2050 reduzieren, die USA sogar noch um mehr.
Was soll die Politik aus Ihrer Sicht tun?
Schon 1972 hat der britische Meteorologe J.S. Sawyer die globale Erwärmung durch CO2 vorhergesagt - bevor man wusste, dass es tatsächlich wärmer wird. Im Fachjournal «Nature» schrieb er, dass die Temperatur bis 2000 um 0,5 Grad steigen wird. Er hat Recht behalten. Aus meiner Sicht wird der Kampf gegen den Klimawandel immer mehr ein Wettlauf mit der Zeit. Bei den Klimaverhandlungen sollte man das Ziel nicht in einem politischen Kompromiss aufweichen. 50 Prozent globale Reduktion bis 2050 sind das Mindeste, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden.
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