München - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re sieht trotz einer steigenden Zahl wetterbedingter Naturkatastrophen sein Kerngeschäft nicht in Gefahr. Er gehe davon aus, dass in Deutschland die Folgen des Klimawandels in den nächsten 50 Jahren beherrschbar sein werden, sagte Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung des Unternehmens, der Nachrichtenagentur dpa in München.
Generell könne das Unternehmen überall dort Deckungen für solche Risiken anbieten, wo sich angemessene Preise erzielen lassen. «Allenfalls wenn die "Tipping Points" erreicht wären - wenn also das Eis in Grönland schmelzen oder der Golfstrom abreißen würde - dann wäre das Risiko nicht mehr berechenbar, und es wäre ein Problem für unser Geschäft», sagte Höppe. Das werde nicht in den nächsten Jahrzehnten passieren, aber vielleicht in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts.
Die Zahl der Naturkatastrophen habe sich in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt, vor allem wetterbedingte Katastrophen seien dabei angestiegen, sagte Höppe. «Das hat wahrscheinlich mit dem CO2-Anstieg zu tun - dafür ist der Mensch verantwortlich.» Das Unternehmen versichert andere Konzerne gegen Naturkatastrophen und zeichnet seit 1974 alle Umweltkatastrophen auf, bisher sind es mehr als 27 000.
Entwicklungsländer werden nach Einschätzung des Unternehmens stark vom Klimawandel betroffen sein, aber auch Europa bleibe nicht verschont. «In Deutschland erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen», sagt Höppe. «Auch von Unwettern ist das ganze Land, von Winterstürmen sind eher küstennahe Gebiet betroffen.»
Um das Geschäft zu schützen und Geschäftspotenziale neuer Technologien zu nutzen, wirbt die Munich Re auch für eine klimaschonende Energieerzeugung und hatte die Wüstenstrom- Initiative deutscher Großkonzerne mit angeschoben. Ziel des «Desertec»-Projektes ist es, Strom aus den Wüsten in Nordafrika und dem Mittleren Osten für die Region und für Europa zu erzeugen. Dabei sollen sogenannte solarthermische Kraftwerke zum Einsatz kommen. Heute koste die Kilowattstunde Strom aus einem solchen Kraftwerk in Südspanien 20 Cent, sagte Höppe. «Die Kosten müssen auf 5 Cent gesenkt werden, damit der Strom wettbewerbsfähig ist. Dafür brauchen wir die Politik», sagt Höppe.
Nötig seien eine Anfangsförderung und international einheitliche Rahmenbedingungen. Höppe ist optimistisch: «In 30, 40 Jahren werden 50 Prozent der Energien aus dezentralen Anlagen und etwa 20 bis 30 Prozent aus der Wüste kommen.»
Gespräch: Veronica Frenzel und Peter Seiffert, dpa
Weitere Informationen zu den im Beitrag angesprochenen "Tipping Points" (Kippelementen) finden Sie hier
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