Gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)
CO2-Handel.de Infoportal
Sie sind hier: Home : Projekte : CO2-Handel.de

11.12.2012

Anwender: gute Erfahrungen mit Deutschem Nachhaltigkeitskodex - Optimierungsbedarf

Bild: KlimAktiv / ZügelZum einjährigen Bestehen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung eine erste Bilanz gezogen. „Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex hat einen guten Start hingelegt, braucht aber gerade in diesen Zeiten deutlich größere Dynamik“, sagte Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), am 30. November 2012 bei einem Multistakeholderforum in Berlin.


Der RNE hatte den Kodex im Herbst vergangenen Jahres auf den Weg gebracht. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex listet die wichtigsten Indikatoren für eine nachhaltige Unternehmensführung auf. Sein Ziel ist es, insbesondere dem Kapitalmarkt quantitative Informationen in kompakter Form zur Verfügung zu stellen und durch eine bessere Lesbarkeit und Vergleichbarkeit den Anwenderkreis von Nachhaltigkeitsberichten zu vergrößern. Bisher haben 33 deutsche Unternehmen vom Mittelständler bis zum international tätigen Konzern eine Entsprechenserklärung zum DNK abgegeben. Ein Teil der Unternehmen habe den Deutschen Nachhaltigkeitskodex als Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung genutzt, berichtete Alexander Bassen, Professor für Kapitalmärkte und Unternehmensführung an der Universität Hamburg und einer der Entwickler des DNK.

Die Kompaktheit der Informationen stieß beim Unterzeichner EnBW auf ein positives Echo. „Bei den Indikatoren des DNK ist jeder Nachhaltigkeitsaspekt dabei, über den wir Bescheid wissen sollten“, sagte EnBW-Referent Lothar Rieth. Eine bessere Anwendbarkeit für Mittelständler war einer der zentralen Verbesserungsvorschläge von den Teilnehmern des Stakeholderforums.

Gewünscht: niedrigere Einstiegsschwelle und Indikatoren zu Regionalität

Eine schlankere Version des Kodex und eine niedrigere Einstiegsschwelle würden noch mehr mittelständische Unternehmen motivieren, den DNK anzuwenden, hieß es. Wichtig sei es vor allem, die Informations- und Transaktionskosten zu senken, betonte Paschen von Flotow vom Sustainable Business Institute. Für eine qualitative Anpassung der Indikatoren auf die Bedürfnisse regional verwurzelter Unternehmen warb Birgit Riess von der Bertelsmann Stiftung. Wichtige Stakeholder für Mittelständler seien die vor Ort ansässigen Mitarbeiter und regionale Zulieferer. Die Indikatoren des DNK müssten für diese Interessengruppen aussagekräftig sein, erklärte Riess.

Konzerne benötigen internationale Standards

Ein weltweit tätiger Konzern sei dagegen auf internationale Standards angewiesen, sagte Karsten Zimmermann von der Deutschen Telekom. Einen großen Teil der Einkäufe beziehe das in Bonn ansässige Unternehmen aus Asien, noch dazu in einer Einkaufsgemeinschaft mit France Télécom. Um Nachhaltigkeitsanforderung zu erfüllen, bediene sich das Unternehmen außerdem detaillierterer, branchenspezifischer Standards für Telekommunikationshardware, gab Zimmermann zu bedenken. Thieme unterstützte eine Europäisierung des DNK. „Der Nachhaltigkeitskodex darf keine deutsche Veranstaltung bleiben“, sagte die RNE-Vorsitzende. Experten suchten bereits nach Möglichkeiten für die Anwendung in anderen Ländern.

Die Anwendbarkeit des DNK für den Kapitalmarkt beurteilten die Teilnehmer des Forums skeptisch. Die Unterzeichner selbst hätten in einer Befragung angegeben, dass die Politik ihre wichtigste Zielgruppe sei, berichtete Bassen. Analysten und Investoren landeten dagegen als Zielgruppe auf den hinteren Plätzen. Am Wert von Nachhaltigkeitsindikatoren hatten die Teilnehmer zwar grundsätzlich keine Zweifel. Wenn ein Unternehmen über eine positive Nachhaltigkeitsbewertung verfüge, sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass Portfoliomanager es bevorzugen, sagte Frank Klein von db advisors. Der DNK sei allerdings bisher nicht Rating-relevant, berichtete Hendrik Garz von Sustainalytics. „Wir gehen bei unseren Analysen stärker in die Tiefe“, sagte Garz.

Neben dem DNK existieren seit Jahren internationale und umfangreichere Standards wie die Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI), des UN Global Compact oder der europäischen EFFAS. Im DNK sieht Garz vor allem ein Qualitätssignal für Mainstream-Analysten. „Wenn Unternehmen A eine Entsprechenserklärung abgegeben hat und Konkurrent B nicht, könnte das Anlass sein, genauer hinzuschauen“, sagte Garz. Sustainalytics arbeitet deshalb daran, die Berichterstattung nach dem DNK als einen Punkt in seine Unternehmensbewertungen zu integrieren.

Peer Review analysiert Kodex detailliert

Eine wichtige Zielgruppe für den DNK könnten künftig Pensionsfonds und berufsständische Versorgungswerke sein, schlug Klein vor. Teilnehmer des Forums regten außerdem an, dass mit einer Entsprechenserklärung zum DNK geprüft werden solle, ob das berichtende Unternehmen die Vorgaben des Kodex tatsächlich einhalte. Der Kapitalmarkt müsse sich auf die berichteten Informationen verlassen können, betonte Garz. Transparency International Deutschland hatte zwei Tage vor dem Stakeholderforum eine Studie veröffentlicht, derzufolge Unternehmen nur unvollständig über Korruptionsaspekte berichten.

Eine detaillierte Analyse des Deutschen Nachhaltigkeitskodex beginnt im Frühjahr 2013 im Rahmen des zweiten Peer Review der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Der Vorsitzende der mit der Aufgabe betrauten Expertengruppe, Björn Stigson, signalisierte bei dem Forum bereits, dass er den DNK für ein wichtiges Instrument halte. Das Wachstum der Weltbevölkerung mache Transparenz über Nachhaltigkeitsaspekte immer wichtiger. Es gebe ein Paradoxon zwischen der relativ kurzen Anlageperspektive von Investoren und dem zeitlichen Horizont von Nachhaltigkeitsaspekten. Investoren bräuchten praktikable, vergleichbare Informationen, wie sie der Deutsche Nachhaltigkeitskodex ermögliche. Nun sei es wichtig, für Konsistenz und Skalierbarkeit zu sorgen.

Weitere Informationen und Links finden Sie auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

© Bild: KlimAktiv / Zügel


Ihr CO2-Handel.de Team:

Norbert Schmid CO2-Handel.de
Norbert Schmid
Stephan Schunkert CO2-Handel.de
Stephan Schunkert
Email: info[at]co2-handel.de
CO2-Rechner PRO
CO2-Rechner PRO für Unternehmen