Die Einführung von Elektro- und Hybridfahrzeugen wird bis 2030 nur einen geringen Beitrag zur CO2-Minderung im Verkehr leisten können. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die heute von »Transport and Environment (T&E)«, dem europäischen Dachverband des Verkehrsclubs Deutschland e.V. (VCD), veröffentlicht wurde.
Dafür werde die Marktdurchdringung mit diesen Fahrzeugen zum einen bis zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zu gering sein. Zum anderen bestünden derzeit noch erhebliche Gesetzeslücken auf EU-Ebene, die einer generellen Senkung der CO2-Emissionen aus dem Autoverkehr im Weg stünden. Elektrofahrzeuge könnten langfristig nur zum Klimaschutz beitragen, wenn dafür geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, so der VCD. So müsse zu allererst der EU-CO2-Grenzwert für Pkw ab 2020 auf 80 Gramm pro Kilometer und ab 2025 auf 60 Gramm pro Kilometer verschärft werden. Nur so werde Planungssicherheit und der notwendige Anreiz für Investitionen in eine kohlenstoffarme Fahrzeugtechnologie und -infrastruktur hergestellt.
Werner Korn vom VCD-Bundesvorstand: „Das Bekenntnis von Verkehrsminister Peter Ramsauer zum Ausbau der Elektromobilität in seiner gestrigen Regierungserklärung in allen Ehren. Doch wir warnen die neue Bundesregierung davor, dem Technologie-Hype der letzten Monate blind zu folgen. Sie muss das Wesentliche im Auge behalten: Elektroautos sind kein Selbstzweck und werden allein das Klima auf absehbare Zeit nicht retten. Deutschland und die EU müssen grundsätzlich dafür sorgen, dass die CO2-Emissionen aus dem Verkehr und die Abhängigkeit vom Öl gesenkt werden. Dafür müssen alle Fahrzeuge − also auch Diesel und Benziner − effizienter werden. Schärfere CO2-Grenzwerte ohne Schlupflöcher für die Autohersteller sind dafür unerlässlich. Doch im schwarz-gelben Koalitionsvertrag ist davon leider kein Wort zu lesen.”
Laut der neuen Studie von T&E enthalte die derzeitige CO2-Grenzwertregelung auf EU-Ebene für den Klimaschutz schädliche Gesetzeslücken. So erhielten Autohersteller einen Freifahrtschein zur Produktion spritfressender SUVs, wenn sie dafür ein Elektromodell auf den Markt brächten. Gleichzeitig würden Elektroautos als »Null-Emissions-Fahrzeuge« eingestuft − ohne zu berücksichtigen, woher der für sie verwendete Strom stamme. Durch diese Regelungen entfiele der Anreiz für die Autohersteller, insgesamt spritsparende Autos zu bauen. Zudem würde verkannt, dass Elektroautos nicht per se klimafreundlich seien. Auch sie müssten an ihrer Ökobilanz gemessen werden, so der VCD. Es müsse sichergestellt werden, dass der Strom für Elektrofahrzeuge nicht aus klima- und umweltschädlichen Kohle- oder Atomkraftwerken stammt.
Michael Müller-Görnert, VCD-Verkehrsexperte: „Elektrofahrzeuge, die derzeit in Pilotversuchen über Deutschlands Straßen rollen und mit Strom aus Kohlekraftwerken betrieben werden, haben eine schlechtere CO2-Bilanz als ein moderner Verbrennungsmotor. Deshalb muss parallel zum Aufbau einer Infrastruktur für Elektrofahrzeuge der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werden. Auch der Energieverbrauch von Elektrofahrzeugen muss transparent werden. Wie herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind auch Elektrofahrzeuge mit einer Verbrauchsanzeige auszustatten.”
In der neuen T&E-Studie »How to avoid an electric shock? − Electric cars, from hype to reality« wurde untersucht, welche Rolle Elektrofahrzeuge bei der angestrebten CO2-Minderung des Verkehrs spielen können und welche gesetzlichen Maßnahmen für mehr Klimaschutz notwendig sind. Die englische Fassung der Studie finden Sie unter unter www.transportenvironment.org
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