Berlin - Proteste vor Autohäusern, platte Reifen und brennende Fahrzeuge: In Berlin gehen Umweltschützer und andere Leute neuerdings mit teils sehr rabiaten Methoden gegen besonders klimaschädliche Autos vor.
Ihr Ziel sind vor allem PS-starke Limousinen und Geländewagen von Mercedes, Porsche oder VW. Auch die Umweltschützer von Greenpeace kämpfen in der Hauptstadt verstärkt gegen Klimasünder - wenn auch mit gemäßigteren Mitteln: Sie verkleideten einen BMW mit knallrosa Ohren, Schnauze und Ringelschwänzchen soeben zum «Klimaschwein».
Die radikaleren Kfz-Gegner haben seit einiger Zeit ein neues Ventil für ihren Unmut gefunden: Sie lassen bei den ungeliebten Fahrzeugen kurzerhand die Luft aus den Reifen und hinterlegen dann Flugblätter, in denen sie auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Benutzung von Autos hinweisen. Sorgen müssen sich vor allem die Besitzer teurer Fahrzeuge in gutbürgerlichen Bezirken wie Zehlendorf, Steglitz oder Reinickendorf machen. In diesem Jahr wurden der Berliner Polizei bereits 94 solche Fälle gemeldet. Dabei handelte es sich meist um «hochmotorisierte Wagen», die auch besonders viel Treibstoff schlucken, wie eine Sprecherin der Polizei bestätigt. Im vergangenen Jahr gab es noch so wenige Reifenattacken, dass sie in der polizeilichen Kriminalstatistik gar nicht als Problem erfasst wurden. «Das ist eine neue Art der Kriminalität», meint die Sprecherin.
Ob die Sorge um die Umwelt tatsächlich der Grund für die - im juristischen Sinne - Sachbeschädigungen ist, ist allerdings noch unklar. Aber jedenfalls hat in Berlin der für politische Delikte zuständige Staatsschutz beim Landeskriminalamt die Ermittlungen übernommen. Greenpeace distanziert sich von diesen Aktionen. Die Luft aus Autoreifen zu lassen sei kein Weg für Greenpeace, sagt der Verkehrsexperte der Organisation, Günter Hubmann. «Wir gehen eher die Autoindustrie an, die diese Fahrzeuge baut, und die Politik, die das Verschwenden von Energie und Ressourcen nicht durch entsprechende Rahmenbedingungen einschränkt.» Deswegen degradierte Greenpeace diese Woche einen eleganten BMW mit überdimensionalen Ohren, Schnauze und Ringelschwänzchen zum «Klimaschwein».
Schon Wochen vor Beginn des G8-Gipfels im Juni standen in Berlin fast jede Nacht Autos in Flammen. Die Polizei vermutete schnell Zusammenhänge zwischen den Anschlägen und militanten G8- Gegnern. Nach Einschätzung von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Juni ging es den Tätern ausschließlich um Gewalt und nicht mehr um politische Ziele. Aber ruhig wurde es auch nach Ende des Gipfels nicht. Mittlerweile stieg die Zahl der politisch motivierten Brandanschläge nach Angaben der Polizei auf 78. Im gesamten vergangenen Jahr waren es gerade einmal 36. Die Staatsanwaltschaft vermutet linksautonome Kreise hinter den aktuellen Anschlägen. Hinweise auf einen Zusammenhang mit vier Mitgliedern der als terroristisch eingestuften «militanten Gruppe», gegen die der Bundesgerichtshof in dieser Woche Haftbefehl erließ, scheint es aber nicht zu geben.
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