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Quelle: ergonoMedia/photocase.com und sepphuberbauer/photocase.com

20.03.2012

Deutsche Autobauer: Experten für ehrgeizigere Vorgaben

Kaum ein Thema scheint für die großen deutschen Autobauer derzeit so wichtig wie die Nachhaltigkeit. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn gab Anfang März den Startschuss für einen grundlegenden ökologischen Umbau des Konzerns. BMW wurde jüngst zum am nachhaltigsten wirtschaftenden DAX-Unternehmen gekürt und ist auch laut Konzernchef Norbert Reithofer der nachhaltigste Hersteller der Branche. Daimler hat sich bereits vergangenes Frühjahr ein Nachhaltigkeitsprogramm verschrieben. Jeder Hersteller versucht, noch nachhaltiger als der Mitbewerber zu sein. Ist das mehr als Tamtam?


„Die deutschen Autobauer haben in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich große Fortschritte bei der Treibstoffeffizienz erzielt“, sagt Deutschlands „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer. Sie hätten den gesellschaftlichen Trend zur Nachhaltigkeit aufgegriffen, das mitunter aber nicht freiwillig, sondern als Reaktion auf Vorgaben der Europäischen Kommission. Die hatte vorgeschrieben, dass in Europa neu zugelassene Autos seit diesem Jahr nur noch 130 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstoßen dürfen. „In der deutschen Automobilindustrie hat das die größte Innovationswelle seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst“, sagt der Professor für Automobilwirtschaft von der Universität Duisburg-Essen.

Bild: Conhunter CC2.0Eine Vorreiterrolle möchte Dudenhöffer deutschen Autobauern indes nicht attestieren. Die Ehre komme dem japanischen Hersteller Toyota zu, der früh auf Hybridfahrzeuge gesetzt hat. „Das Thema Treibstoffeffizienz hat hierzulande BMW als erster aufgegriffen, Volkswagen hat noch großen Nachholbedarf“, sagt er. Die Wolfsburger hätten viel zu lange ausschließlich in konventionelle Antriebstechniken investiert. Das bestätigt auch Karsten Smid, Klimaexperte von Greenpeace. Die Chance, den CO2-Ausstoß seiner Flotte erheblich zu reduzieren, habe der Konzern auch vergangenes Jahr vertan, „weil er seine Spritspartechnik nur vereinzelt und gegen hohen Aufpreis angeboten hat“.

Tatsächlich schneiden alle deutschen Hersteller beim CO2-Ausstoß gegenüber ihren internationalen Wettbewerbern mau ab, wie eine Anfang März erschienene Studie des Marktforschungsunternehmens Jato Dynamics belegt. Hersteller mit den niedrigsten Emissionen war im vergangenen Jahr demnach Fiat mit 118 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer, gefolgt von Seat und Citroen (beide 125 Gramm) sowie Toyota (126 Gramm). Bester deutscher Produzent im Ranking ist Ford mit 132 Gramm auf Platz zehn. VW schafft mit 135,5 Gramm nur Rang 15. Die Konzerntochter Audi bildet mit 146 Gramm das Schlusslicht. BMW und Mercedes tauchen in der Top-20 nicht auf. Untersucht wurden jeweils die Durchschnittwerte der gesamten auf die Straße gebrachten Konzernflotten.

„Mit mehr Unterstützung durch die Politik wäre auch bei den deutschen Herstellern mehr Nachhaltigkeit drin“, meint Dudenhöffer. Die CO2-Grenzwerte habe die Bundesregierung aber verwässert, für die Erprobung der Elektromobilität gäbe sie nicht genug Geld. Der Bundesregierung rät er, langfristige Nachhaltigkeitsziele vorzugeben. „Sie könnte zum Beispiel festlegen, dass in der Innenstadt ab 2020 mindestens 25 oder 30 Prozent aller Wege mit Elektrofahrzeugen zurückgelegt werden müssen.“ Langfristig könne sie auch überlegen, alle Pkw mit Verbrennungsmotoren aus den Innenstädten zu verbannen. Beides könne Wunder bewirken und einen zweiten großen Innovationsschub anstoßen.

Gert Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland VCD drängt dagegen auf eine Verschärfung der CO2-Grenzwerte für Pkw. Derzeit werden die Ziele für das Jahr 2020 auf europäischer Ebene verhandelt. Im Gespräch sind 95 Gramm CO2 je gefahrenem Kilometer. „Wir plädieren für einen Wert von 80 Gramm“, sagt Lottsiepen. Technisch dürfte das möglich sein. In der aktuellen Auto-Umweltliste des VCD, in der der Verband die umwelt- und klimafreundlichsten Automodelle dokumentiert, kommen die zehn klimabesten Modelle auf einen Ausstoß zwischen 86 und 93 Gramm. Dominiert wird die Rangliste zwar von ausländischen Herstellern. Mit dem Smart fortwo und dem VW Polo 1.2 TDI schafften es aber auch VW und Daimler auf die vordersten Ränge.

Weiterführende Informationen und Links finden Sie auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

© Bild: Conhunter CC2.0



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