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17.02.2012

Studie: Potentiale für Ökostrom in Deutschland

Berlin - Eine am 15.02.12 in Berlin vorgestellte Studie „Potenziale für Ökostrom in Deutschland“ untersucht das Verbraucherverhalten einerseits und das Investitionsverhalten der Energieversorger andererseits. Ein Ergebnis ist, dass Verbraucher zwar grundsätzlich wollen, dass ihr Stromanbieter in erneuerbare Energien und die Energiewende investiert, dass sie aber trotzdem nur zu 20 Prozent tatsächlich Ökostrom beziehen. Aber auch die Erwartung der Verbraucher zum Öko-Engagement ihres Energieversorgers entspricht nicht immer der Realität, denn deutsche Energieversorger investieren unterschiedlich viel in erneuerbare Energien.

Die Studie zeigt auch, dass regional verwurzelte Versorger ein relativ stärkeres Engagement zeigen als die großen Energiekonzerne und in absoluten Zahlen über mehr Investitionskraft verfügen als reine Ökostromanbieter.

potentiale für ökostrom in deutschland q diw econVerbraucher legen Wert auf Investitionen in Ökostrom

Auf Nachfrage, so die Studie, sind für Verbraucher ökologische Merkmale ihres Stromproduktes relevant. Von größter Bedeutung ist, dass der eigene Energieversorger selbst in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert - 83 Prozent der Verbraucher beurteilen dies als wichtig oder sehr wichtig.

Für Cordelia Müller, Geschäftsführerin der ENTEGA, ist das Ergebnis der Studie eindeutig: „Der Großteil der Verbraucher misst der Senkung von CO2-Emissionen und den Investitionen in Erneuerbare große Bedeutung bei, statt allein auf Preisaspekte zu achten."

Aus ihrer täglichen Praxis kann sie allerdings auch bestätigen, dass Denken und Handeln nicht übereinstimmen müssen.  „Es zeigt sich aber eine deutliche Diskrepanz zwischen dem theoretischen Bewusstsein und der eigentlichen Umsetzung,“, so Müller. Denn obwohl 87 Prozent der Befragten die Senkung von CO2-Emmissionen als wichtig sehen, sind nur 20 Prozent tatsächlich Ökostromkunden. "Zudem ist es den Konsumenten wichtiger, dass ihr Versorger in erneuerbare Energien investiert, als dass sie selbst Strom beziehen, der ausschließlich aus regenerativen Quellen gewonnen wird", so Müller

„Unterm Strich wollen die Kunden die Energiewende, setzen sich aber nicht aktiv dafür ein“, bedauert Müller die Ergebnisse. „Um die Energiewende mitzugestalten, müssen Verbraucher Qualität, Herkunft und Umweltnutzen ihres Stromangebots hinterfragen.“

Deutlich wird auch, dass Ökostrom-Gütesiegel nur einer Minderheit der Befragten bekannt sind. „Zertifikate, die dem Tarif einen zusätzlichen Umweltnutzen bescheinigen, bieten nur dann Orientierung, wenn die Verbraucher sie auch erkennen und verstehen“, erklärt Müller. „Hier besteht offensichtlich Handlungsbedarf.“ Darauf hatten kürzlich auch das Vergleichsportal Verivox und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hingewiesen, die ein einheitliches Gütesiegel für Ökostrom fordern.

Große Unterschiede im Investitionsverhalten der Versorger

Die Investitionen der deutschen Energieversorgungsunternehmen (EVU) in den Ausbau erneuerbarer Energien weisen große Unterschiede auf. Die Studie analysierte die Entwicklung Erzeugungskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien (EE-Kapazitäten) ausgewählter EVU von 2005 bis 2010. Verglichen wurden dabei die vier großen Energieversorger E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW, die vier Ökostromanbieter EWS, Greenpeace Energy, Lichtblick und Naturstrom sowie fünf regionale Energieversorger, darunter auch die ENTEGA mit ihrer Muttergesellschaft HEAG Südhessische Energie AG (HSE). „Das unterschiedliche Engagement ist insbesondere im Hinblick auf die Wirtschaftskraft oder aber die ökologische Ausrichtung einiger Unternehmen überraschend“, konstatiert Müller.

Zum Stand 2010 haben die vier großen Energiekonzerne zwar die größten EE-Kapazitäten, anteilig an den Gesamtkapazitäten liegen sie jedoch deutlich unter dem Engagement der Ökostromanbieter (100 Prozent) und dem erneuerbaren Anteil von ENTEGA/HSE (56 Prozent). „Auch die Entwicklung der Kraftwerksparks zeigt, dass einige der großen EVU sogar EE-Kapazitäten in Deutschland abgebaut haben, sofern man Abgänge durch Verkäufe oder Stilllegungen berücksichtigt“, erläutert Müller. Die regionalen Versorger bauten in diesem Zeitraum zwischen 20 und 188 Megawatt (MW) zu, die reinen Ökostromanbieter zwischen 0,1 und 29 MW. „Hier fällt die geringe Größe der Ökostromanbieter auf und damit einhergehend auch die geringere Investitionskraft“, sagt Müller.

Qualität und Investitionen als Maßstab für Ökostrom

„Um die Energiewende umzusetzen, reicht das zum Teil geringe Engagement der Versorger nicht aus“, fasst Müller zusammen. „Der Umbau der deutschen Energiewirtschaft stellt uns vor große Aufgaben. Die Ziele sind nicht realisierbar, wenn die Unternehmen nicht genügend in den Ausbau der Anlagen investieren. Die Energieversorger dürfen nicht länger auf fehlende Rahmenbedingungen warten, sie müssen bei sich selbst mit der Energiewende anfangen.“

Nach Vorstellung der Studienergebnisse forderte ENTEGA in einer Podiumsdiskussion mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) größeres Engagement auf Seiten der Verbraucher und neue Bewertungsmaßstäbe für Ökostrom: „Zu wenige Verbraucher hinterfragen Herkunft und Umweltnutzen ihres Stroms, während sie Investitionen bei den Unternehmen einfordern - oft, weil sie diese nicht klar erkennen und vergleichen können."  

Wenn man aber Veränderungen im Investitionsverhalten der EVU und im Kaufverhalten der Verbraucher anstoßen wolle, müsse die Qualität von Ökostrom neben dem Preis zum entscheidenden Bewertungskriterium werden. Müller weiter: "Dafür müssen wir bereits bestehende Standards, wie das Initiierungsmodell von 'ok power', noch bekannter machen." Aber es bedarf auch neuer Instrumente, die über den reinen Preisvergleich von Tarifen hinausgehen. Müller denkt da beispielsweise an ein Qualitätsportal als Entscheidungshilfe für Konsumenten, Bewertungsmaßstab für Medien und Messlatte für die Energieversorger.

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt des DIW, konstatierte in der Diskussion: „Die Energiewende birgt enorme Herausforderungen, aber vor allem enorme Chancen durch die Schaffung von Wertschöpfung und Arbeitsplätze." Sie weiß: "Eine kluge Energiewende kann zum Konjunkturmotor werden." Um diesen Motor so rasch wie möglich in Gang zu bringen, ist in ihren Augen ein Masterplan nötig. "Dazu gehören Ausbau der Stromnetze und Speicher, Netzoptimierung über Nachfragesteuerung sowie Schaffung geeigneter Regulierung und Rahmenbedingungen. Geeignete finanzielle Anreize für Stromnetze, Speicher und notwenige Stromkapazitäten zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage sind ebenso nötig wie die rasche Umsetzung aller Energiesparaktivitäten." Ihr Forderung: "Dazu müssen nicht nur möglichst rasch die finanziellen Mittel zur Unterstützung der energetischen Gebäudesanierung aufgestockt werden, sondern auch jegliche Sparpotentiale ausgeschöpft werden, vor allem im Bereich der Mobilität. Nicht zuletzt bedarf es der Schaffung eines Energieministeriums zur Umsetzung des Change Management Prozesses - eine umfassende, entschlossene und zielgerichtete Umsetzung der Energiewende.“

Die Studie "Potentiale für Ökostrom in Deutschland" finden auf entega.de


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