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Quelle: ergonoMedia/photocase.com und sepphuberbauer/photocase.com

02.01.2012

Wenn die Erde glüht - Flözbrand im Saarland wird gelöscht

Neunkirchen - Ein Mantel aus Eiskristallen liegt auf den kleinen Büschen und Gräsern, die am Hang neben der vielbefahrenen Bundesstraße 41 kurz vor dem saarländischen Neunkirchen wachsen. Nur wenige Meter neben den Eisblumen qualmt es aber. Aus einem Metallrohr, das tief im Boden steckt, steigt Rauch auf, vermischt mit Kohlendioxid, -monoxid und Schwefelgasen. Das Flöz Blücher brennt seit etwa 1990.


Neben dem «Brennenden Berg» beim nahen Dudweiler ist es der einzige Brand eines Kohleflözes in der Bundesrepublik. Weltweit gibt es dagegen tausende. Der Neunkircher Brandherd ist zwar vergleichsweise klein. Das Bergbau-Unternehmen RAG schätzt, dass er so groß ist wie ein Drittel eines Fußballfeldes. Das Feuer, das nur wenige Meter unter der Erdoberfläche schwelt, bewegt sich aber auf die B 41 und die Stadt Neunkirchen zu, ist nur noch gut drei Meter von der Straße entfernt. «Wenn wir den Brand nicht löschen, würde er unter die Straße ziehen», erklärt Peter Steinmetz, verantwortlicher Umwelt-Ingenieur bei der RAG.

Kohlebrand in China Bild: Wikimedia/Horst Rueter PDDas Kohleflöz hat sich vermutlich selbst entzündet. Kommt die Kohle mit Sauerstoff in Kontakt, beginnen chemische Reaktionen, die Wärme erzeugen. Der Sauerstoff kann durch Risse im Gestein dahin gelangen oder durch alte Bergbauschächte. Kann die Wärme nicht entweichen, entzündet sich die Kohle irgendwann.

«Es gibt drei Möglichkeiten, einen Kohlebrand zu löschen: Die Kohle ausgraben, ihr die Energie entziehen, indem man sie mit Wasser abkühlt, oder den Sauerstoff entziehen», erklärt Christian Fischer vom Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt. Da das Neunkircher Flöz nur 5 bis 22 Meter unter der Oberfläche liegt und Sauerstoff durch kleinste Risse gelangen kann, bleiben nur die ersten beiden Möglichkeiten.

Eine Sanierung 1997 und 1998 war nicht ganz erfolgreich. Damit der Brandherd, der am Hang liegt, diesmal komplett beseitigt wird, setzt die RAG auf ein neues Verfahren. Dazu sollen zunächst dicht beieinander gesetzte Bohrlöcher mit Beton verfüllt werden. «Wir trennen damit einerseits den Brand von der nicht brennenden Kohle ab, zum anderen läuft dann das Löschwasser am Hang nicht so schnell ab», erklärt RAG-Ingenieur Steinmetz.

Wenn die Betonverschalung fertig ist, wird Wasser eingeleitet, um die Kohle abzukühlen und den Brand zu löschen. Dann wird das Gestein ausgegraben und gelagert. Reicht die Glut tiefer, muss erneut gelöscht und gegraben werden. Deshalb lässt sich die Dauer der Löscharbeiten schwer schätzen, sie könnte bis zu 24 Monate in Anspruch nehmen.

Das Gebiet rund um den Brandherd ist seit 2006 abgesperrt. «An einigen Stellen ist die Erde eingebrochen, da kann man bis zur Glut hinunter sehen», berichtet Steinmetz. Temperatur und Gasaustritte würden regelmäßig gemessen, es bestehe keine Gefahr für Mensch und Natur, sagt Steinmetz.

In einigen Teilen der Welt ist das anders. In Ländern wie China, Indien oder Indonesien brennt nicht nur ein Flöz, dort treten bis zu 1000 Kohlebrände in einer Region auf. Schuld daran ist der «Krabbelbergbau», wie Forscher Fischer es nennt: «Die Menschen sind arm in diesen Regionen. Wer kann es ihnen verdenken, wenn sie rausgehen und sich ihr Heizmaterial einfach aus der Erde ausgraben.»

Ganze Regionen werden durch die Brände verwüstet, in Indonesien etwa sorgen Kohlebrände regelmäßig für Feuer im Regenwald. «Die Stabilität im Deckengebirge ist auch nicht mehr gegeben. Da kann es überall Einbrüche geben», erklärt Fischer. Dabei verbrennen nicht nur große Kohlevorräte. Das, was nicht dem Feuer zum Opfer fällt, kann trotzdem nicht mehr verwendet werden.

Auch in anderen Teilen der Welt schwelt Kohle unter Tage. Den ältesten derartigen Brand gibt es wohl in Australien. Der «Burning Mountain» in New South Wales brennt vermutlich seit 6000 Jahren. Ein historischer Brand, ebenso wie der «Brennende Berg» von Dudweiler, der mindestens seit 1658 glüht und auch heute noch Touristen anzieht.


Von Ulrike Otto, dpa

© Kohlebrand in China Bild: Wikimedia/Horst Rueter PD



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