Die Juli-Hitze dürfte Rekorde brechen. Und am meisten wird in den Großstädten geschwitzt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt Kommunen wie Frankfurt oder Berlin Ratschläge für die künftige Stadtplanung. Denn in den kommenden Jahren wird der «Hitzestress» noch größer.
Frankfurt/Main - Die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sind eindeutig: Im Jahr 2050 werden in Frankfurt wegen des globalen Klimawandels 61 Tage im Jahr wärmer als 25 Grad sein - heute sind es im Schnitt 42. Auch die heißen Tage mit über 30 Grad werden deutlich zunehmen. Deshalb gibt der DWD Stadtplanern in deutschen Städten Tipps - von Grünflächen über Arkaden bis hin zu Sonnensegeln.
Frankfurt und Berlin sind die ersten Städte, für die der Wetterdienst ein Zukunftsszenario erarbeitet hat. Köln ist jetzt dazugekommen. Dort verlassen sich Meteorologen und Klimaforscher nicht nur auf die Simulation von Modellen, sondern messen auch selbst vor Ort.
In Frankfurt staut sich die Hitze am meisten in der dicht bebauten Innenstadt mit ihren Bankentürmen. Tagsüber werfen die Hochhäuser in «Mainhattan» zwar Schatten. Nachts wirken sie aber wie Kachelöfen und geben die Wärme nur sehr langsam ab, wie Uwe Wienert vom DWD erläutert. Konsequenz: In den Innenstädten kann es dann fünf bis sechs Grad wärmer sein als im Umland.
DWD-Vorstandsmitglied Paul Becker betonte bereits im April vergangenen Jahres, als erste Ergebnisse vorgelegt wurden, dass die gesundheitlichen Schäden durch die zu erwartenden längeren Hitzeperioden zunehmen werden.
Der DWD hat daher ganz konkrete Empfehlungen: Großstädte müssten in ihren Zentren künftig für Frischluftschneisen sorgen und Grüngebiete ausweisen - zum Beispiel mit Alleen oder Parks. Und auch die Innenstädte sollten Grünflächen haben, die miteinander verknüpft werden, sagt Wienert. Eine klimaverträgliche Stadt brauche einen Grünflächenanteil von mindestens einem Viertel ihres Gebiets, fordert sein Kollege Becker.
Die Experten des Wetterdienstes schlagen zum Beispiel mehr schattenspendende Arkaden an Gebäuden vor - wie in mediterranen Ländern. Auch Sonnensegel auf der Frankfurter Zeil, einer der größten Einkaufsstraßen Deutschlands, gehören zu den kreativen Ideen.
Frankfurt will darauf reagieren - auch wenn der Spielraum zur Umgestaltung der Innenstadt als begrenzt angesehen wird. «Grüne Achsen werden geprüft», sagt Klaus Hoppe, der für die Umweltvorsorge bei der Stadt zuständig ist. So soll der um die Stadt führende «Grüngürtel» stärker mit dem Zentrum verbunden werden. Weitere Vorschläge sind die Begrünung von Fassaden und Hinterhöfen. Generell müsse das Radfahren gestärkt und der Autoverkehr zurückgedrängt werden. «Die Mobilität ist ein wichtiger Baustein», sagt Hoppe. Hochhäuser müssten aber nicht abgerissen werden, versichert er.
Empfehlungen sollen im Stadtentwicklungsplan berücksichtigt werden. Anhaltspunkte hat die Stadt auch im 1995 erstmals aufgestellten Klimaplan-Atlas erhalten, in dem zum Beispiel «Luftleitbahnen» festgelegt wurden, die bei der Bebauung für die Zufuhr kühlender Luftmassen freigehalten werden sollten. Um den Klimawandel zu berücksichtigen, hat der Umweltmeteorologe Prof. Lutz Katzschner von der Universität Kassel den Plan im vergangenen Jahr überarbeitet und digitalisiert.
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