Hamburg - Städte tun noch immer zu wenig gegen den Klimawandel. Vor allem die Metropolen der Industrieländer sind die Hauptverursacher des globalen Treibhauseffekts. Das Prinzip der Nachhaltigkeit muss künftig für den gesamten Stoffwechsel einer Stadt sowie die lokale Wirtschaft gelten.
Dies geht aus einem Arbeitspapier der Internationalen Expertenkommission zum Thema Städte und Klimawandel des World Future Council (WFC) und der Hamburger HafenCity Universität (HCU) hervor, die gestern und heute im Hamburger Rathaus tagte.
"Regenerative Stadt"
In dem Dokument ist erstmalig das Prinzip der Regenerativen Stadt formuliert. Es werden Leitlinien aufgezeigt, wie nicht nur die Energieversorgung und das Transportwesen, sondern der gesamte Stoffwechsel von Städten umgestaltet werden kann - bis hin zur Rückgewinnung von Nährstoffen aus Abwässern.
Herbert Girardet, Stadtentwicklungsexperte und Programmdirektor des World Future Council: "Städte sind das wichtigste Aktionsfeld, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Die Frage, wie schnell wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Steigerung der Energieeffizienz, nachhaltige Transportsysteme und vor allem eine Kreislaufwirtschaft in Städten erreichen, wird darüber entscheiden, ob wir eine übermäßige Erderwärmung noch vermeiden können. Die Kosten für diese regenerative Revolution relativieren sich, wenn man sie den zu erwartenden Kosten des Klimawandels gegenüberstellt."
Expertenkommission fordert Gremien für Zukunftsentwicklungen
Nationalregierungen haben sich der Herausforderung bislang gar nicht oder unzureichend gestellt. Die Expertenkommission schlug deshalb heute die Gründung einer nationalen Enquetekommission für die Zukunft von Städten vor. Ziel eines solchen Gremiums sei es, ganzheitliche urbane Entwicklungskonzepte zu entwickeln sowie Entscheidungen der Bundesregierung auf ihre Wirkung für die Nachhaltigkeit von Städten und die Lebensbedingungen der Menschen hin zu überprüfen. Darüber hinaus könnte die Bundesregierung damit ein Vorbild für alle anderen Länder sein, in denen ein solches Gremium ebenso notwendig sei.
Die Expertenkommission "Städte und Klimawandel" ist ein Kooperationsprojekt des WFC und der HCU. Sie besteht aus zwanzig Mitgliedern aus Wissenschaft, Stadtplanung, Technologie und dem Bildungssektor. Unter den Mitgliedern sind Prof. Dr. Hartmut Graßl, ehemaliger Leiter des Max-Planck-Instituts für Metereologie, Dr. Ashok Khosla, Präsident des Club of Rome, und Nicholas You, Klimachef von UN Habitat, der Städteorganisation der Vereinten Nationen.
Der World Future Council setzt sich für ein verantwortungsvolles, nachhaltiges Denken und Handeln im Sinne zukünftiger Generationen ein. Seine bis zu 50 Mitglieder kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur - und von allen fünf Kontinenten. Der Rat identifiziert mithilfe seines Netzwerks von Wissenschaftlern, Parlamentariern und Umwelt-Organisationen weltweit zukunftsweisende Politikansätze und fördert ihre Umsetzung auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene. Der World Future Council ist als gemeinnützige Stiftung in Hamburg registriert und finanziert sich über Spenden.
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