Wie sähen die Strommärkte aus, wenn Verbraucher vom heimischen Wohnzimmer aus ihren Energieverbrauch gezielt regulieren könnten? Wenn sie optimal informiert über Preis und Leistung einfach und schnell über ein intelligentes Steuerungssystem agieren würden? Wie sich diese Vision technisch umsetzen lässt, erforschen Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie in einem Projekt, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI). Bis 2012 wird der "Energiemarkt der Zukunft" in Modellregionen in Krefeld und Mülheim a. d. Ruhr getestet.
Die Vision
Im Jahr 2020 könnten private und gewerbliche Kunden mit Stromanbietern, Netzbetreibern und weiteren Akteuren auf elektronischen Marktplätzen verhandeln. Der Verbraucher wird dabei zum aktiven Marktteilnehmer. Er kann sich jederzeit über seinen Strom-, Gas-, Wasser- und/oder Fernwärmeverbrauch informieren und entscheiden, wann er wie viel Energie kauft oder verkauft - zum Beispiel, indem er überschüssigen Strom von der hauseigenen Photovoltaikanlage oder Brennstoffzelle einfach in die Netze einspeist. Das macht den Stromkunden souverän und ist energieeffizient.
Die Lösung: IKT-Gateways
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind der Schlüssel, um diese dezentralen Energiesysteme der Zukunft zu steuern. Über standardisierte IKT-Gateways können alle Akteure am regionalen Marktgeschehen teilnehmen. Die Arbeitsgruppe für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik um Prof. Dr.-Ing. Constantinos Sourkounis der Ruhr-Universität Bochum ist am Projekt "E-DeMa - Entwicklung und Demonstration dezentral vernetzter Energiesysteme hin zum E-Energy-Marktplatz der Zukunft" beteiligt. "Wir untersuchen zurzeit, wie mögliche Anreizsysteme zur Beeinflussung der Netzauslastung aussehen könnten", so Prof. Sourkounis.
Dezentrale Energiesysteme am Markt
Bei der Implementierung stellt sich beispielsweise die Frage, welche Eigenschaften ein Algorithmus haben sollte, um technische Informationen aus den IKT-Gateways in Preissignale auf dem Markt umzusetzen. "Ab diesem Jahr simulieren wir in einem Modell, welche Folgen die Einbindung dezentraler Energieerzeugungsanlagen in bestehende elektrische Netze haben könnte. Aus unseren Ergebnissen können wir dann auf mögliche Betriebsszenarien schließen", sagt Sourkounis. Durch offene Protokolle und Standards stellen die Projektteilnehmer sicher, dass die IKT-Infrastruktur übertragbar und herstellerunabhängig ist. Das System soll nach Abschluss des Pilotprojekts für Dritte nutzbar sein.
Förderung durch BMWI
Das Forschungsvorhaben gehört zu den sechs Gewinnern des Technologie-Wettbewerbs "E-Energy" und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) finanziell gefördert. Am Projekt beteiligt sind die ef.Ruhr GmbH sowie RWE, Siemens, Miele, ProSyst und die Stadtwerke Krefeld-Gruppe. Die ef.Ruhr GmbH ist der deutschlandweit größte Zusammenschluss energietechnisch forschender Lehrstühle und Institute. Sie besteht aus Forschern der RUB, der Universität Duisburg-Essen, der TU Dortmund und der Fachhochschule Dortmund. Das Projektvolumen beträgt bei einer Laufzeit von vier Jahren insgesamt rund 20 Millionen Euro, ein Teil davon fließt in die Forschungsaktivitäten.
Weitere Informationen: www.ruhr-uni-bochum.de/
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