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28.03.2012

Zustand des Planeten: Wie ein Mensch mit ungesunder Lebensweise

Unser Planet gleicht einem Patienten, der sich zwar im Moment noch gesund fühlt, aufgrund hoher Blutdruck- und Cholesterinwerte seinen Lebensstil aber dringend verändern muss.


So schildern Forscher auf der Tagung "Planet under Pressure" den aktuellen Zustand der Erde. "Wir brauchen einen völlig neuartigen Blick auf unserer Erde - und Lösungsvorschläge, die sich nicht auf einzelne Fachgebiete beschränken und auf Verhaltensänderungen abzielen", sagt Anne Larigauderie, Direktorin des Artenschutz-Programms Diversitas, im pressetext-Interview.

Krankheitssymptome häufen sich

Bild. Pixelio/didoobDas aktuelle Bild der Erde: Die CO2-Konzentration der Atmosphäre steigt ebenso wie die Luft- und Meerestemperatur, das Meereis und die Polkappen schmelzen und der arktische Permafrost taut auf. Bereits heute wird mehr reaktiver Stickstoff erzeugt als dies alle natürlichen Prozesse am Land gemeinsam tun, was gemeinsam mit der Phosphor-Gewinnung viele "Todeszonen" vor den Küsten hinterlässt. Die Artenvielfalt nimmt ab, die Menschheit vermehrt sich und verbraucht immer mehr Süßwasser und Energie, auch die Landnutzung ändert sich drastisch - und doch haben Milliarden nicht das Nötigste zum Wohlbefinden.

Neben gefährlichen Kippelementen gibt es auch Anzeichen, dass sich einzelne Faktoren entschärfen, erklärt die Umweltforscherin Diana Liverman von der University of Arizona: "Der Bevölkerungszuwachs wird langsamer und bald abflachen, die Intensität von Energie und Kohlenstoff pro Produktionseinheit geht zurück, die landwirtschaftliche Intensivierung verlangsamt sich und die Wälder dehnen sich in einigen Regionen wieder aus." Eine Entwarnung sei dies nicht, explodiert doch in den Schwellenländern der Ressourcenverbrauch - in Industrieländern ist er längst extrem hoch.

Erdzeitalter des Menschen

Insgesamt ist der Einfluss des Menschen so stark, dass Geologen bereits die Einführung von "Anthropozän" als Epochenbezeichnung diskutieren. Länder mit den höchsten Einkommen verursachen dabei laut einer englischen Studie dreimal so viele Emissionen wie jene mit den niedrigsten. "China, Indien, Europa und östliches Nordamerika weisen am Beginn des 21. Jahrhunderts hohe Emissionen auf, Lateinamerika und Afrika noch sehr wenige. Im Zusammenspiel der historischen und aktuellen Pro-Kopf-Emissionen ist das Kernstück über die Verantwortung im Klimawandel zu sehen", betont Liverman.

Wissenschaft aufwerten

Die Gesellschaft muss der Wissenschaft mehr Gehör schenken, um die Probleme des Planeten in den Griff zu bekommen, fordert Larigauderie gegenüber pressetext. "Es fehlt an Strukturen, um die Forschung integrativer zu gestalten, mit den Akteuren zu vernetzen und in Gesetzgebungen einzubinden", betont die Expertin. Das aktuelle Londoner Treffen von knapp 3.000 Experten versucht dies modellhaft - Klimaforscher, Sozialwissenschafter, Biochemie- und Wasserexperten sowie Biologen sind vertreten, jedoch auch Entscheider aus Wirtschaft und Politik.

Das Treffen (25.-29.03.12, planetunderpressure.net) soll auch Lösungsvorschläge für die im Juni stattfindende UN-Konferenz Rio+20 liefern. Die Erwartungen der Diversitas-Direktorin dafür sind gedämpft. "In der Wissenschaftsgemeinde ist Frust spürbar, Themen wie Biodiversität sind in den offiziellen Dokumenten für Rio+20 teils nur in einem Nebensatz erwähnt. Hoffnung vieler ist bloß, dass das Umweltprogramm UNEP künftig mehr Kompetenzen und Finanzierung erhält und das Bewusstsein geschärft wird. Denn immer mehr zeigt sich, dass die Änderung des Verhaltens Schlüsselelement für die Zukunft ist."


Quelle: pressetext.redaktion

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