Palangkaraya/Borneo - Die Klimakiller Benzin, Diesel und Kohle durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen, ist der Traum umweltbewusster Verbraucher. Die Ölpalme kommt da gerade recht.
In der EU werden jährlich schon 1,5 Millionen Tonnen Palmöl in Kraftwerken verbrannt, Tendenz steigend. Die Hauptlieferländer Malaysia und Indonesien riechen ein dickes Geschäft. Auf der Strecke bleibt aber nicht selten der tropische Regenwald, Fundgrube der größten Artenvielfalt der Erde und ein Kohlenstoffspeicher von unschätzbarem Wert.
Ortstermin: Palmölplantage in Kalimantan, dem indonesischen Teil Borneos. Hier im Süden, im Katingan-Distrikt, ist das Industrie- und Agrarkonglomerat Bisma Dharma Kencana 1998 in die Palmölproduktion eingestiegen. «Das Geschäft läuft bestens», sagt Manager Ramadan Pane. Sein Büro liegt in einer 14 425 Hektar großen Plantage - das ist die anderthalbfache Fläche der Nordseeinsel Sylt. Die Plantage ist zur Hälfte bepflanzt, aber Pane hat große Pläne. Stolz zeigt er seine 200 000 Setzlinge, die in Blumentöpfen wachsen. «Wir bauen aus.»
Die Ölpalme ist mit acht Tonnen Öl pro Hektar die ertragreichste Ölpflanze der Welt. Palmölplantagen sind damit heute Goldgruben. Indonesien und Malaysia, die zusammen 80 Prozent der Weltproduktion liefern, wollen kräftig verdienen. Malaysia, wo schon elf Prozent der Landesfläche mit Ölpalmen bepflanzt sind, will bis 2020 nochmal rund 50 Prozent auf 5,1 Millionen Hektar zulegen. Indonesien will denselben Zuwachs schon im nächsten Jahr schaffen: auf insgesamt 8,4 Millionen Hektar. Das meiste davon soll in Kalimantan entstehen.
Sulur (50) ist Plantagenarbeiter und beklagt sich nicht. Mindestens 100 Fruchtbündel muss er am Tag schlagen, eine schweißtreibende Arbeit: er lässt seine Riesenhacke drei, vier Mal in die Ölpalme sausen, ehe das Bündel zu Boden fällt. Hier steht die ohnehin schwüle Luft. Die Palmen stehen so dicht, dass kein Luftzug durch die Reihen geht. In dem Fruchtbündel sind ein paar Dutzend pflaumengroße orange-schwarze Früchte, die herausgelöst und in einer Mühle ausgepresst werden. «Ich schaffe meistens mehr als 100», sagt Sulur. Das bringt extra Geld. Er kommt auf etwa 80 Euro im Monat. Wer nur sein Soll erfüllt, bekommt 60 Euro. Das ist auch in Indonesien nicht viel.
Die Firma stellt ein paar Holzhütten als Behausung zur Verfügung, Arbeitsschutz ist ein Fremdwort. «Meine Frau hat Probleme mit dem Armen», sagt Sulur. Sie arbeitet auch hier, und jätet Unkraut. Sulur zeigt, wo seine Frau überall schon mal Ausschlag hatte. Sulur muss ab und zu mit dem Unkrautvernichter los. Dann bekommt er einen Kanister auf den Rücken und einen Schlauch in die Hand. «Handschuhe müssen wir uns selbst kaufen», sagt er. Von Mundschutz hat er noch nie gehört.
Nach Angaben von Manager Pane wurde die Plantage auf Brachland errichtet. Damit erfüllt die Plantage eine der wesentlichen Forderungen von Umweltschützern wie dem World Wide Fund for Nature (WWF): Brachland nutzen, keine zusätzlichen Flächen im Regenwald frei schlagen. Allerdings haben nach WWF-Angaben viele Firmen sowohl Plantagen als auch Holz- und Papierfirmen.
Eine Lizenz für den Plantagenbau im Regenwald ist deshalb doppelt lukrativ: «Die können erst noch das Holz zu Geld machen», sagt WWF-Sprecher Iwan Wibisono. Und die Korruption blüht in Indonesien. Gerade wurde der Gouverneur der Provinz Ost-Kalimantan zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er illegal Plantagenbaulizenzen vergeben hatte. Die Firmen holzten zehntausende Hekar ab und machten sich dann aus dem Staub.
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