Nach jahrelanger Planung drehen sich auch vor Deutschlands Küsten die ersten Hochsee-Windräder. Auf den Startschuss für den Offshore-Park «alpha ventus» in der Nord- folgt nun der Baubeginn für «Baltic 1» in der Ostsee. Die Messe «Baltic Future» bietet der Branche ein Forum.
Vorbei sind die Zeiten, in denen Anhänger der Windkraftnutzung auf hoher See den Energiemultis vorwarfen, nur große Töne zu spucken, anstatt wirkliche Investitionen zu wagen. Vergangene Woche ging in der Nordsee vor Borkum der erste maritime Turbinen-Park «alpha ventus» in Betrieb - und auch in der Ostsee wittern die Versorger das Riesengeschäft mit Wind-Strom vom Meer.
Grund genug für die Boom-Branche, sich pünktlich zum Baubeginn von «Baltic 1» nördlich des Darß an diesem Donnerstag noch einmal kurzzuschließen: Offshore-Technik und die nötige Logistik sind die Zugpferde der Messe «Baltic Future», die am Dienstag (4. Mai) in Rostock öffnet. Als «internationale Plattform» für mindestens 3000 Fachbesucher soll das Treffen die Vernetzung von Energieerzeugern, Zulieferern und Forschern voranbringen. Dass auch die Ostsee reichlich Potenzial für die Öko-Technologie bietet, gilt als unstrittig. Denn obwohl es selten so stürmisch zugeht wie auf der Nordsee, ist das Binnenmeer aus energiewirtschaftlicher Sicht weit mehr als eine Transferroute für die neue Gas-Pipeline des Nordstream-Konsortiums.
Derzeit sind fünf marine Windparks mit mehr als 260 Anlagen genehmigt. «Die Entwicklung bei Offshore hat gerade erst begonnen», meint Andree Iffländer, Chef des Windenergie-Netzwerks Rostock. Ziel der bis Donnerstag (6. Mai) laufenden Messe mit über 120 teilnehmenden Firmen sei es, auch Logistik-Experten stärker auf das Geschäftsfeld aufmerksam zu machen, sagte er bei der Vorstellung des Programms. Ein «Windenergie-Tag» am Dienstag soll die Partnersuche beschleunigen. Allein für diese Sonderveranstaltung gebe es 230 Anmeldungen.
Wenn vor Deutschlands Küsten - wie geplant - bis zu 40 Windparks entstehen, könnte dies auch für die leidgeplagte Schiffbaubranche ein Weg aus der Dauerkrise sein. So will das Bremer Unternehmen Beluga Hochtief in Rostock Details zur Indienststellung des ersten von vier Spezialschiffen nennen. «Die Planungen für den neuen Typ sind sehr weit fortgeschritten», erklärte Geschäftsführer Carsten Heymann vor der «Baltic Future». Die Montage-Schiffe sollen von 2012 an beim Bau von Hochsee-Windanlagen zum Einsatz kommen, die bis zu 100 Meter hoch sind und pro Aggregat mehr als fünf Megawatt Leistung liefern.
Und auch jenseits des Schiffbaus ranken sich jede Menge technische Finessen um das Thema Offshore. Ein eigens organisierter «Workshop intelligente Meerestechnik» soll daher Wissenschaftler und Firmen aus dem In- und Ausland zusammenführen. Riesige Unterwasser-Stecker und Montage-Roboter werden präsentiert. Zu den wichtigsten Anwendungen über der Meeresoberfläche gehören Schwimmelemente, auf denen sich komplette seegestützte Umspannwerke unterbringen lassen.
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