Düsseldorf - Eon-Chef Wulf Bernotat nimmt mit einer gemischten Bilanz 2009 Abschied vom größten deutschen Strom- und Gaskonzern: Erstmals seit seinem Amtsantritt vor sieben Jahren verzeichnete das Unternehmen bedingt durch die tiefgreifende Wirtschaftskrise und fallende Gaspreise beim Umsatz und Gewinn leichte Rückgänge. Bernotat zeigte sich dennoch zufrieden. Die Rezession habe zwar die Geschäfte beeinträchtigt, aber Eon befinde sich auf Kurs.
Zum 1. Mai übergibt der 61-jährige Topmanager seinen Posten an den Stellvertreter Johannes Teyssen, der bereits die nächste Hauptversammlung leiten wird. Zu inhaltlichen Schwerpunkten in seinem neuen Job wollte sich der designierte Eon-Chef noch nicht äußern.
Trotz der Geschäftseinbußen ist Eon im vergangenen Jahr vergleichsweise glimpflich aus der Krise gekommen. Durch die schwache Konjunktur verringerte sich Umsatz um 6 Prozent auf 82 Milliarden Euro und der um Zukäufe bereinigte Jahresüberschuss um 5 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Und so erhalten die erfolgsverwöhnten Eon- Aktionäre diesmal keinen zusätzlichen Schluck aus der Dividendenpulle. Mit 1,50 Euro je Aktie soll die Ausschüttung gegenüber dem Vorjahr stabil bleiben.
Zurückhaltend äußerte sich der Konzernchef über die Entwicklung der Geschäfte in 2010: Aufgrund der Wirtschaftskrise sei das Jahr weiterhin von Unsicherheiten geprägt. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwartet der Vorstand ein Plus bis maximal 3 Prozent und beim Überschuss ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Helfen soll dabei auch das Sparpaket, mit dem Eon ab 2011 jährlich 1,5 Milliarden Euro realisieren will. «Das kalte Wetter hat dazu beigetragen, dass wir einigermaßen gut ins Jahr gekommen sind», sagte Bernotat.
Bei seiner letzten Bilanzvorlage räumte Bernotat ein, dass Eon beim Einstieg in die erneuerbaren Energien zögerlich gewesen war. Doch inzwischen spiele das Unternehmen in der Sparte international in der erste Liga. Innerhalb von zwei Jahren sei der Bereich zu einem Kerngeschäft geworden. Zugleich erneuerte er sein Bekenntnis zur Kernenergie: Das Erreichen der Klimaziele würde in weite Ferne rücken, wenn eine CO2 freie Technik durch eine andere ersetzt werde. Bernotat: «Für das Klima wären das dann zwei Jahrzehnte Stillstand.»
Die Organisation German Watch sprach indes von einer klimaschädlichen Investitionspolitik des Unternehmens. Neue Kohlekraftwerke blockierten die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien. Mit dem Bau von vier Kraftwerken setze Eon seine fossile Investitionspolitik unbeirrt fort, erklärte ein Sprecher der Allianz, einem Bündnis von Organisationen aus den Bereichen Umwelt, Entwicklung, Kirche, Verbraucherschutz und Gewerkschaften.
Bernotat hatte Mitte 2003 den Spitzenposten bei Eon angetreten und den Konzern in den Folgejahren durch Zukäufe im europäischen Ausland auf Wachstum und Effizienz getrimmt. Insgesamt wurden in dem Zeitraum rund 100 Milliarden Euro durch Akquisitionen und Verkäufe bewegt. Seine Ziele erreichte der Manager aber nicht immer: Die geplante milliardenschwere Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa scheiterte. Bernotat brach darüber hinaus mit dem Verkauf des Hochspannungsstromnetzes an den niederländischen Netzbetreiber Tennet in der Branche ein Tabu.
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