klimAktiv.de
Co2-Rechner

Seite empfehlen

Uni Gießen: Neue Formeln und Prognosen für die Erderwärmung (26.08.2009)

Anthropogener Anteil am Klimawandel jetzt berechenbar - Publikation der Gießener Theoretischen Physik in "Geophysical Research Letters"


Uni GiessenDie Erde hat sich erwärmt - und zwar in den letzten 100 Jahren um knapp 0,8° C. Darin ist man sich in der Welt der Wissenschaften einig. Einige der möglichen Folgen davon: Wüsten breiten sich aus, Gletscher und sogar die Eiskappe am Nordpol schmelzen, der Meeresspiegel steigt.

Unwetter und Überschwemmungen scheinen in einem beängstigenden Ausmaß zuzunehmen. Bisher ungeklärt ist, in welchem Maße der Mensch - z. B. durch Treibhausgase wie das CO2 - zur globalen Erwärmung und damit zum Klimawandel beiträgt, und wie groß der Anteil ist, der sich als natürliche Temperaturschwankung erklären lässt.

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Klimaforscher weltweit. Jetzt haben Wissenschaftler der Theoretischen Physik der Justus-Liebig-Universität Gießen Formeln gefunden, die den anthropogenen Anteil der Erderwärmung berechenbar machen. Eine aktuelle Publikation in der renommierten Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" gibt zum Teil überraschende Antworten auf die Frage nach der Berechnung des Anteils an der weltweiten Temperaturerhöhung, den wir Menschen zu verantworten haben.

Dr. Sabine Lennartz und Prof. Armin Bunde haben insgesamt 45 Messreihen ausgewertet - 30 davon stammen aus Messstationen weltweit, und 15 Messreihen sind gemittelte globale Temperaturen aus dem Internet. Bei zahlreichen Simulationen erkannten sie Gesetzmäßigkeiten und fanden Formeln, mit deren Hilfe sich jetzt der anthropogene Anteil an der Erderwärmung einfach berechnen lässt.

Persistenz des Klimas

Bereits vor über zehn Jahren hatte die Gießener Arbeitsgruppe von Prof. Armin Bunde festgestellt, dass das Klima - ebenso wie das Wetter - eine ausgeprägte Erhaltungsneigung hat. Es ist schon lange bekannt, dass auf einen sehr warmen Tag mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein warmer folgt und auf einen sehr kalten wieder ein kalter Tag. Unbekannt war, dass diese Persistenz auch für das Klima gilt: Auf einen zu warmen Monat folgt eher wieder ein zu warmer Monat, auf ein zu warmes Jahr folgt eher wieder ein zu warmes Jahr. Das gleiche scheint für Dekaden und Jahrhunderte zu gelten, aber mit abnehmender Tendenz.

Aufgrund dieser Erhaltungsneigung der Temperaturen können sich lange Warm- oder Kaltperioden herausbilden mit einer deutlichen natürlichen Erhöhung bzw. Senkung der Temperatur. Methoden, das natürliche Auf und Ab des Klimas aus den Daten zu bestimmen, auch ohne dass man den von Menschen verursachten Trend kennt, wurden von den Gießener Wissenschaftlern bereits vor Jahren vorgestellt. Doch erst jetzt gelang es ihnen, den vom Menschen verursachten Anteil an der Erderwärmung aus den Daten herauszurechnen.

Anthropogene Erderwärmung

Dazu sind im betrachteten Zeitraum drei Größen von entscheidender Bedeutung: die beobachtete Temperaturerhöhung (bestimmt über eine Trendgerade), die Standardabweichung um die Trendgerade und ein Parameter, der die Persistenz des Klimas charakterisiert. Diese Größen dienen als Eingabewerte für exakte Formeln, die Dr. Sabine Lennartz und Prof. Armin Bunde bestimmen konnten, mit denen der Minimal- und Maximalwert der anthropogenen Temperaturerhöhung angegeben werden kann. Der tatsächliche Wert des anthropogenen Anteils liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen diesen Werten.

Von Bedeutung ist, dass die gemessene Temperaturerhöhung dabei nicht der Maximalwert ist. So kann es durchaus sein, dass der vom Menschen gemachte Anteil der Erwärmung größer als die gemessene Erderwärmung ist, falls sich im betrachteten Zeitraum die Erde auf natürliche Weise abgekühlt hat. Für Potsdam, beispielsweise, ist die gemessene Temperaturerhöhung im 20. Jahrhundert 0,7°C, und der anthropogene Anteil daran liegt zwischen -0,2°C und 1,6°C. Der hier gemessene Temperaturanstieg kann also auch allein den natürlichen Schwankungen zugeordnet werden. Anders ist die Situation in Sibirien, wo merkliche Temperaturerhöhungen stattgefunden haben, sowie bei der globalen Temperatur, wo die natürlichen Temperaturschwankungen kleiner sind.

Prognose

Aus dem errechneten Trend können dann auch Prognosen beispielsweise auf der Basis von 100 oder von 50 Jahren erstellt werden. Nimmt man die letzten 100 Jahre als Maßstab, so erwartet man einen weiteren globalen Temperaturanstieg zwischen 0,1°C und 1,4°C. Setzt man hingegen die letzten 50 Jahre fort, so ist ein Temperaturanstieg zwischen 0°C und 2,4°C in den nächsten 100 Jahren zu erwarten. Damit scheint das Klimaziel der Bundesregierung, die globale Temperatur in den kommenden 100 Jahren um nicht mehr als 2° C ansteigen zu lassen, durchaus realistisch.

Sabine Lennartz, Armin Bunde: Trend evaluation in records with long-term memory: Application to global warming, Geophysical Research Letters, doi: 10.1029/2009GL039516

Kontakt: Prof. Dr. Armin Bunde, Institut für Theoretische Physik, Heinrich-Buff-Ring 16, 35392 Gießen, Telefon: 0641 99-33360, E-Mail: Armin.Bunde(at)theo.physik.uni-giessen.de


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft


Bundesumweltministerium

12.03.2010

Klima-Mahner der ersten Stunde - Hartmut Graßl wird 70

Dena bietet Exporthandbücher: Auslandsmärkte für Wind und Biogas erschließen

Siemens baut in Italien Solaranlagen

Schweizer Forscher suchen globale Lösungen für nachhaltige Wassernutzung

Stuttgarts Bedienstete ab sofort per E-Roller unterwegs

11.03.2010

Umwelthilfe: Bundesregierung zeigt bei Kleinlastern wieder ein Herz für Klimakiller

EU: Deutschland wird wahrscheinlich EU-Klimaziel übertreffen

Sarkozy will Devisensteuer für Klimaschutz ab 2011

Klima: Kommission präsentiert Post-Kopenhagen-Strategie im Europaparlament

NABU: Zerstörung von Mooren, Wäldern und Auen kostet Millionen und untergräbt Klimaziele

Weltklimarat IPCC bekommt Kontrollgremium

10.03.2010

Klima-Allianz kritisiert Investitions-Vorhaben von E.ON: riskant für Klima und Anleger

Krise dämpft Eon-Geschäfte - Bernotat geht

Optische Chips reduzieren Internet-Energieverbrauch

Frost & Sullivan: Deutschland bleibt führend bei Biogasanlagen

Umweltbundesamt gibt Tipps: Tourismus und Nachhaltigkeit geht gut zusammen

PIK-Studie: Ruhende Sonne würde globale Erwärmung kaum abschwächen

DIW: Fast jeder zwanzigste Arbeitnehmer arbeitet im 'grünen Bereich'

EnBW baut 6,5 MW großen Solarpark in Ulm-Eggingen

Umstieg lohnt: Erneuerbare Wärme gewinnt den Heizkostenvergleich

09.03.2010

EU-Kommission erlaubt Beihilfe für Klimaschutzprojekt bei ArcelorMittal

Röttgen prüft Hilfe für klimabedrohte Malediven

Wuppertal Institut erforscht private und betriebliche Nutzung von Elektrofahrzeugen

Interaktion von Individuen als Hoffnungsschimmer für das Weltklima?

CO2-Bilanz im Fernsehen: 'Eine richtig durchschnittliche Familie'

Energieverbrauch 2009 so niedrig wie vor 40 Jahren

Muscheln als Klima-Lexikon

Deutscher Klimapreis der Allianz Umweltstiftung 2010 verliehen

Studie: Export alter Elektrogeräte schadet globalem Klima- und Umweltschutz

EU: UN-Klimavertrag könnte doch erst 2011 kommen

08.03.2010

Schweiz: Bundesrat ebnet Weg für klimafreundliche und energieeffiziente Gebäudesanierungen

Merkel warnt vor Stillstand im Klimaschutz

Südafrika nominiert Tourismusminister zum UN-Klimachef

Sarkozy fordert Finanzhilfe für Atomindustrie

BEE: Regierungskoalition konterkariert ihre Bekundungen zu Erneuerbaren Energien

dena-Gutachten: Deutschland braucht Stromspeicher

Bayern will Steuerfreiheit für Elektro-Autos

05.03.2010

Germanwatch kritisiert:Koalition verwässert Klimaversprechen der Bundesregierung

Töpfer wird Desertec-Berater

EU: Zweiter Teil des 4-Milliarden-Euro-Pakets geht an 43 Gas- und Stromprojekte

Das Jahr 2009 brachte einen Förderrekord bei Erneuerbaren Energien im Wärmebereich

Röttgen: Hightech entscheidend für Klimaschutz

Methangas blubbert aus dem sibirischen Meeresgrund

Bilanz: Treibhausgasemissionen sind 2009 um 8,4 Prozent gesunken