Bremen - Die Kirche bangt um Gottes Schöpfung: Mit dem Hauptthema Klimawandel und der sich verknappenden Ressource Wasser startet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in ihre Synode in Bremen (2.-5. November). Erwartet wird ein markanter Appell an die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, mit dem Umweltschutz Ernst zu machen, ehe es zu spät ist. Eine große Rolle auf dem wichtigsten Jahrestreffen der Protestanten spielen außerdem die innerkirchlichen Strukturreformen, zu der sich die Kirche angesichts schrumpfender Finanzen und Mitgliederzahlen gezwungen sieht.
Der Umweltschutz ist für die Kirche kein neues Thema. Seit Jahren bereits mahnen Kirchenvertreter einen schonenden Umgang mit der Natur und den Lebensgrundlagen der Menschen an und starten in ihren Gemeinden Umweltschutzprojekte. Mit dem Schwerpunktthema Klimawandel will die EKD nun nicht bloß ein zeitgemäßes Thema besetzen. In ihrer Entwicklungsarbeit in der Dritten Welt sehen die Kirchen, dass der Klimawandel vor allem diejenigen trifft, die bisher bei der Globalisierung den Kürzeren gezogen haben. Die Folgen tragen nicht vornehmlich die verursachenden Industriestaaten, sondern die armen Länder. Die Kirchen sehen dadurch Ungleichheiten zementiert, gegen die sie seit langem ankämpfen.
Der klimapolitische Vorstoß der Kirche stößt auf ein positives Echo bei Umweltorganisationen, auch wenn beide nicht denselben Ansatz haben. «Als moralische Instanz sind die Kirchen ein wichtiger Akteur», sagt Nicolai Schaaf vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). «Gerade dadurch, dass der Klimawandel bei der Entwicklungsarbeit wichtig ist, sind die Kirchen von Bedeutung.» Als moralische Instanz wird die Kirche auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gesehen, wie Sprecher Norbert Franck erklärt. Gemeinsam mit dem kirchlichen Hilfsdienst «Brot für die Welt» hat der BUND bereits eine Studie zur Globalisierung erstellt. «Die Kirchen sind in dieser Frage ein gewichtiger Player, sie erreichen viele Menschen.»
«Natürlich spielen die Kirchen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, ethische Fragen in die Gesellschaft hineinzutragen», sagt die Sprecherin des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac, Frauke Distelrath. Das klimapolitische Engagement der EKD begrüße Attac sehr, «wir finden das gut». Vor allem erreiche die Kirche Gesellschaftsschichten, «die wir so nicht erreichen». Auch bei Greenpeace lobt ein Sprecher den Vorstoß der EKD für die Umwelt, auch wenn beide Organisationen sonst eher wenig Berührungspunkte haben.
Ziel der Synode ist es nicht bloß, als Kirche mahnend den Zeigefinger zu heben, sondern Wege zu mehr Klimaschutz auch in der eigenen Organisation zu finden, wie EKD-Sprecher Christof Vetter erklärt. Mit ihrer Vielzahl an Kirchen- und Gemeindegebäuden kann die Kirche Vorbild sein, etwa wenn es um klimaschonendes Heizen geht. An Fantasie hat es den Kirchen beim Umweltschutz bisher nicht gemangelt: Gemeinsam mit den Katholiken und der Kirche in Luxemburg starteten mehrere Landeskirchen das «Autofasten» vor Ostern, eine Förderinitiative «Kirchengemeinden für Sonnenenergie» verhalf mehr als 700 Gemeinden zu Solaranlagen. Unter dem Motto «Die Hütte der Frommen wird grünen» bemüht sich die Nordelbische Kirche derzeit um den Bau kirchlicher Gebäude als Niedrigenergiehaus.
Die Synode hat auf ihren Internetseiten ein "Lesebuch" veröffentlicht, das die wichtigsten Sachverhalte zum Schwerpunktthema ausführlich von verschiedenen Seiten beleuchtet. Klicken Sie hier
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