Berlin/Frankfurt/Main - Nach dem Beschluss zur Abschaffung der Glühbirne in der Europäischen Union gibt es noch große Zweifel an der Wirksamkeit von Energiesparlampen. Diese seien kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zu Glühlampen, warnte die Zeitschrift «Öko-Test» am Dienstag.
Wegen der großzügigen Stufen- Regelung bis zur Zwangsabschaltung aller Glühlampen forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Hersteller auf, die Ökobilanz der Sparlampen mit dem hohen Quecksilbergehalt klar zu verbessern. «Aber auch für andere Energiefresser wie Heizpilze, Nachtspeicher- Heizungen oder Standby-Schaltungen (an Elektrogeräten) sind Verbote sinnvoll», verlangte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Berlin.
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte die stufenweise Umsetzung bis 2012. Er sagte: «Ich hätte mir zwar ein vollständiges Auslaufen der Glühbirne schon zum nächsten September gewünscht, da die technischen Alternativen schon jetzt verfügbar sind. Doch können wir durch die heute beschlossenen Regelungen den Stromverbrauch bei Haushaltslampen um mehr als ein Drittel senken.» «Jeder Verbraucher ist gut beraten, schon heute auf effiziente Energiesparlampen zu setzen.»
EU-Rat und EU-Parlament müssen laut Ministerium der Verordnung zur Abschaffung der Glühlampe noch zustimmen. Danach gelte sie in den 27 EU-Mitgliedsstaaten direkt, also auch ohne den deutschen Gesetzgeber.
Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) sieht die Energiesparlampen anders als die Kritiker in einem viel günstigeren Licht. Sie könnten den Energieverbrauch bis 80 Prozent verringern und hätten eine bis zu 15-fach längere Lebensdauer als Glühbirnen. Durch den EU-Beschluss würden allein in Deutschland bis zu 4,5 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 pro Jahr eingespart und Privathaushalte mit rund 1,3 Milliarden Euro entlastet, teilte der Verband mit. Allein in Deutschland würden jährlich noch über 200 Millionen Glühbirnen verkauft, der Energiesparlampen-Absatz stagniere bei 15 Prozent Marktanteil bei Leuchtmitteln.
Nach dem EU-Beschluss sollen die Bürger auf Leuchtstoff-, Halogen- und LED-Lampen umsteigen. Die sind zwar teurer, sollen aber länger halten und verbrauchen weniger Energie. Gemäß Angaben aus dem Bundesumweltministerium dürfen von September 2009 an generell keine matten Glühbirnen mehr verkauft werden. Ab September 2010 müssen auch Klarglas-Birnen mit 75 Watt vom Markt verschwinden und ein Jahr später die Standardglühlampe mit 60 Watt und ab September 2012 die 10-Watt-Birne. «Ab dem 1. September 2016 gelten für alle Haushalts- Lampen Effizienzanforderungen, die der Effizienzklasse B entsprechen. Damit sind dann auch viele herkömmliche Halogenlampen nicht mehr effizient genug und verschwinden vom Markt», so das Ministerium.
Energiesparlampen sparten nicht soviel Energie wie von den Herstellern behauptet, teilte «Öko-Test» mit. Sie sind weniger hell, würden immer dunkler und enthielten gesundheitliche Risiken durch Elektrosmog. Die Umwelt werde durch hochgiftiges Quecksilber belastet, weil nur zehn Prozent der Haushalte die Lampen korrekt als Sondermüll entsorgten. Im übrigen habe eine britische Studie ergeben, dass die Bewohner Räume mit Sparlampen um zwei bis drei Grad stärker beheizen als wenn Glühlampen eingesetzt werden. Das kalte Licht der Energiesparlampen wirke sich direkt auf die gefühlte Temperatur aus.
Die Lichtindustrie begrüßte den am Montag getroffenen EU-Beschluss. Mit dem Aus nach 130 Jahren für die Glühbirne will die EU mehr Strom sparen und ihre ehrgeizigen Klimaziele umsetzen.
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