Der ökologische Rucksack lastet schwer auf allen Waren und Tätigkeiten des Menschen. Ein Baumwoll-T-Shirt wird im Laufe seines Gebrauchs durch ihn um rund fünf Tonnen schwerer. Ein Röhrenmonitor wiegt etwa 1,5 Tonnen mehr, und eine CD rund 40 Kilogramm. Der ökologische Rucksack enthält jene Rohstoffe und Tätigkeiten, die dem fertigen Produkt nicht anzusehen sind: den Wasserverbrauch beim Waschen der Baumwolle oder das Gewinnen seltener Metalle für Handys.
Auch der Energieverbrauch und damit die freigesetzten klimaschädlichen Gase haben ihren Platz in diesem virtuellen Rucksack. Das Modell geht auf ein Team um Prof. Friedrich Schmidt-Bleek - ehemals Vizepräsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie - zurück. Angesichts des neuen Berichtes des UN-Klimarates IPCC, der drohenden Erderwärmung und der Selbstverpflichtungen der Europäischen Union zur Reduktion der Treibhausgase bekommt das Konzept des ökologischen Rucksacks neue Bedeutung. Es lenkt den Blick auch auf Möglichkeiten zum Sparen.
Der Rucksack-Faktor gibt an, wie viel Kilogramm Brennstoffe und Material aus der Natur entnommen wurden, um ein Kilogramm Grundmaterial zu erhalten. Typische Werte sind 5 für Kunststoffe, 15 für Papier, 85 für Aluminium, 500 für Kupfer und 550 000 für Gold.
Ein Beispiel für kaum bekannte Materialflüsse ist ein schwarz gefärbtes Baumwoll-T-Shirt. Dessen Analyse findet sich in dem von Schmidt-Bleek herausgegebenen Buch «Der Ökologische Rucksack» (Hirzel Verlag, Stuttgart). Das leichte Kleidungsstück bringt es im Laufe seines Lebens insgesamt auf einen Rucksack von 4583,70 Kilogramm - in etwa das Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten. Die Forscher betrachteten unter anderem: welches Garn wurde eingesetzt, wie haltbar ist der Stoff, wie wurde er gefärbt, wie wurde das Produkt verpackt? Der Transport der Roh- und Halbprodukte mit Schiff, Bahn oder dem Flugzeug macht ungefähr zehn Prozent des Energiebedarfes aus.
Sparen ließe sich Sprit und damit CO2-Freisetzung wenn die Produktion an einer Stelle stattfände. Die aufwendigste Phase ist aber der Gebrauch, und der wiederum hängt stark vom Nutzer ab. 80 Prozent des benötigten Wassers (insgesamt 4,2 Tonnen) gehen aufs Waschen zurück. Wie umwelt- und klimaschädlich das abläuft, bestimmt der Einzelne: Wie hoch ist die Wassertemperatur, wie voll ist die Maschine, wird ein Trockner oder eine Leine genutzt? An jeder Stelle wird via Stromverbrauch über die Menge des freigesetzten CO2 entschieden.
Ein Team um Paula Sinivuori von der Universität Helsinki untersuchte, was beim Händetrocknen am umweltschonendsten ist: ein Warmluftgebläse, die Einweg-Papierhandtücher oder das Rollhandtuchsystem? Bei der Stoffrolle - sie reicht für 200 Mal
Trocknen - berücksichtigten die Finnen Handtuchrolle, Wäsche und Transport. Die Berechnung des Gebläses fußt auf dem Strombedarf von 2110 Watt während einer 30-Sekunden-Trocknung. Beim Papierhandtuch wurden Material, Verpackung und Entsorgung beurteilt - beim Verbrauch nur eines Handtuches je Trocknung. Am günstigsten schnitt die
Stoffrolle ab: Je Trocknung hat sie einen ökologischen Rucksack von 2,7 Gramm. Beim Papier waren es 17 Gramm, das Gebläse lag mit 7,2 Gramm in der Mitte.
Ebenso wie Schmidt-Bleek ist die Umweltstiftung WWF (World Wide Fund for Nature) der Ansicht, dass der Mensch über seine Verhältnisse lebt. «Wenn der Verbrauch an natürlichen Ressourcen so weitergeht wie bisher, werden wir bis zum Jahr 2050 zwei Planeten benötigen, um unsere Bedürfnisse nach Nahrung, Energie und Infrastruktur zu decken - vorausgesetzt es gibt überhaupt noch irgendwelche Ressourcen zu verteilen.» Zu diesem Ergebnis kommt der WWF in seinem Bericht zur Lage der Erde «Living Planet Report 2006». Demnach übersteigt derzeit der menschliche Konsum die natürliche Kapazität der Erde um ein Viertel.
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