Offenbach - Der deutsche Winter wird wärmer und Schnee könnte selbst in Mittelgebirgen bald zur seltenen Wettererscheinung werden. Bis zum Ende des Jahrhunderts sei mit einem Anstieg der Durchschnittstemperatur in den Monaten Dezember bis Februar um bis zu 4 Grad zu rechnen, sagte Gerhard Müller-Westermeier, Klimaexperte beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Im Rhein-Main-Gebiet würde nach einer solchen Erwärmung ein Klima wie etwa in Norditalien herrschen: «Das ist wie ein Umzug von Frankfurt nach Mailand», sagte Müller- Westermeier.
Für die Meteorologen umfassen die Monate Dezember, Januar und Februar den Winter. Der meteorologische Winter 2006/07 war mit einer Durchschnittstemperatur von plus 4,4 der wärmste seit Beginn der deutschen Messreihen im Jahr 1901 und mehr als 4 Grad wärmer als das langjährige Mittel. Diese Referenzperiode, die den Wetterexperten derzeit als Basis dient, umfasst die Jahre 1961 bis 1990. In diesen Jahren lag die durchschnittliche Wintertemperatur in Deutschland bei plus 0,2 Grad. Im vergangenen Winter von Dezember 2008 bis Februar 2009 lag die Mitteltemperatur bei minus 0,2 Grad und damit etwas darunter.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sei die mittlere Jahrestemperatur in Deutschland um ein knappes Grad gestiegen, sagte Müller- Westermeier. Die Wintertemperaturen lagen in den Jahren 1901 bis 1915 noch zwischen minus 1,6 und knapp 2 Grad über Null. Danach stiegen die Werte stetig, aber nicht gleichmäßig. 1916 wurde mit plus 2,8 Grad zum ersten Mal die 2-Grad-Marke überschritten, 1975 die von 3 Grad und 2007 die von 4 Grad.
Allerdings gab es zwischendurch auch immer wieder bitterkalte Winter: Am kältesten war es in Deutschland 1962/63 mit einer Durchschnittstemperatur von minus 5,5 Grad, auch der Kriegswinter 1939/40 war mit minus 5 Grad besonders kalt. 1928/29 wurde als Durchschnittswert minus 4,8 Grad ermittelt.
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