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Schweizer Studie ‚Das Klima ändert - was nun?’ (12.09.2008)

Broschüre OcCC

Der neue Bericht des OcCC präsentiert die wichtigsten Ergebnisse des 4. Wissensstandsberichtes des IPCC, mit ihrem Bezug zur Schweiz.

 

Welche Veränderungen sind gegen Ende des Jahrhunderts zu erwarten? Welche Auswirkungen ergeben sich für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft?

 

Aufgezeigt wird aber auch wie sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft den Herausforderungen stellen können und welche Optionen heute bestehen und ergriffen werden sollten, um den negativen Folgen des Klimawandels zu begegnen.


Grundlagen:
Der globale Klimawandel ist eindeutig. Weltweit haben die menschlichen Treibhausgasemissionen im Zeitraum von 1970 bis 2004 um 70 Prozent zugenommen, wobei sich die Zunahme in den letzten zehn Jahren beschleunigt hat. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre hat seit 1750 deutlich zugenommen und übersteigt heute bei weitem die vorindustriellen Werte, bekannt aus Eisbohrkernen für die letzten 650'000 Jahre. Menschliche OcCCAktivitäten führten seit 1750 im globalen Mittel zu einer Nettoerwärmung. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Grossteil der Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und den menschlich verursachten Treibhausgasanstieg bedingt ist. Die mittleren globalen Temperaturen liegen heute bereits um etwa 0,8 °C höher als dies bei einer unveränderten Zusammensetzung der Atmosphäre der Fall wäre.

Zukünftige Klimaentwicklung global...
Die zukünftige Klimaentwicklung ist abhängig vom Ausmass der Treibhausgasemissionen und damit von menschlichem Handeln und politischen Entscheidungen. Je nach Szenario muss bis Ende des 21. Jahrhunderts mit einer Zunahme zwischen 1,1 und 6,4 °C gerechnet werden (bezogen auf 1990). Diese Unsicherheit lässt sich nur zum Teil auf Unsicherheiten in den Klimamodellen zurückführen. Viel wesentlicher ist jedoch der Einfluss der künftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die sich heute kaum abschätzen lässt. Unser Handeln bestimmt die Menge der Emissionen und somit massgeblich die zu erwartenden Veränderungen im Klimasystem und die damit verbunden Folgen.

...und in der Schweiz
Auf regionaler Ebene zeigt sich die Klimaerwärmung im Alpenraum besonders deutlich. Der Anstieg ist im Vergleich zum globalen Trend rund doppelt so stark. In der Schweiz sind die mittleren Temperaturen seit 1970 um rund 1,5 °C angestiegen. Bis 2100 muss mit einer Zunahme der Sommertemperaturen von 3,5 bis 7 °C gerechnet werden. Ein Durchschnittssommer wird dann in etwa dem Hitzesommer 2003 entsprechen. Dazu wird es im Sommer deutlich trockener, im Winter hingegen feuchter werden.

Auswirkungen global....
Die Folgen dieser Erwärmung sind bereits weltweit nachweisbar. Betroffen sind eine Reihe von einzigartigen Ökosystemen (polare Gebiete, Gebirge, Küstenregionen). Mit der voranschreitenden Erwärmung wird auch das Risiko zunehmen, dass Arten aussterben oder Korallenriffe geschädigt werden. Bereits eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 1,5 bis 2,5 °C gegenüber vorindustriellen Werten birgt signifikante Risiken für viele einzigartige Ökosysteme. Dazu gehören insbesondere auch viele "Hotspots" der Biodiversität. Mit hoher Sicherheit wird die anhaltende Erwärmung über viele Jahrhunderte zu einem Anstieg des Meeresspiegels führen. Dieser wird weit über den beobachteten Anstieg im 20. Jahrhundert hinausreichen - mit weitreichenden Folgen für die Küstenregionen.
Gleichzeitig steigt das Risiko extremer Wetterereignisse. Trockenheit, Hitzewellen und Hochwasser werden häufiger vorkommen.

...und in der Schweiz
In der Schweiz werden diese Veränderungen massive Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesellschaft und die Wirtschaft haben.

Mehr als die Hälfte des heute noch vorhandenen Gletschervolumens in den Alpen wird wahrscheinlich bereits um die Jahrhundertmitte geschmolzen sein. Die Wasserverfügbarkeit in den trockenen Sommermonaten wird damit reduziert. Dies hat Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die Schifffahrt und die Energieproduktion. Im Winter dürften, ohne geeignete Schutzmassnahmen, im Mittelland und Jura Hochwasser vermehrt Schäden an Infrastrukturen und Gebäuden anrichten. Dies hat Konsequenzen für die Versicherungsbranche.

Der Tourismussektor muss sich ebenfalls mit veränderten Bedingungen auseinandersetzen. So wird der klassische Wintersport in Höhen unter 1500 Meter wegen der fehlenden Schneebedeckung nicht mehr rentabel sein. Im Sommer wird das veränderte Landschaftsbild die Attraktivität der Hochgebirgsregionen beeinträchtigen. Eine Diversifizierung des Tourismusangebots ist deshalb anzustreben.

In den Städten wird die Bevölkerung vermehrt unter der Hitze leiden.Für die Landwirtschaft stellen insbesondere die Verfügbarkeit von Wasser während den Sommermonaten sowie möglicherweise neu zugewanderte Schädlinge ein Problem dar. Die Artenzusammensetzung der Ökosysteme in der Schweiz wird sich langfristig ändern, da die Arten unterschiedlich auf den Klimawandel reagieren. Flora und Fauna in der Schweiz werden sich jenen von tieferen und südlicheren Gegenden annähern. Wärmeempfindliche Arten werden falls überhaupt möglich in kühlere, höhere Lagen ausweichen. Wenig mobile Arten werden stark eingeschränkt oder verschwinden.

Wie weiter?
Ökonomisch schwache Regionen in der dritten Welt spüren die Auswirkungen bereits jetzt und sind sehr verletzlich. Dies betrifft vor allem Gebiete in niedrigen Breiten und weniger entwickelten Regionen, so zum Beispiel die Trockenzonen und Megadeltas in Afrika, Asien und Südamerika. Auch für ökonomisch starke Volkswirtschaften wird es gegen Ende des 21. Jahrhunderts bei fehlenden Minderungsmassnahmen schwierig, sich den Veränderungen anpassen.

Minderungsmassnahmen sind daher dringend und unumgänglich. Weder Anpassung noch Minderung allein können die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels verhindern, sie können sich jedoch ergänzen und so die Risiken des Klimawandels signifikant verringern.

Um die globale Erwärmung auf 2,0 bis 2,5 °C gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen (dies bedeutet in der Schweiz rund 4 bis 5 °C), müssen die globalen CO2-Emissionen bis 2050 um 50 bis 85 Prozent gegenüber dem Jahr 2000 reduziert werden. Langfristig ist eine Reduktion auf 1 Tonne CO2 pro Kopf gefordert. Dies bedingt einen langfristigen Totalumbau der globalen Volkswirtschaft und eine Abkehr von der Nutzung fossiler Energieträger. Für die Schweiz empfiehlt das OcCC daher eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 20 Prozent bis 2020 und um mindestens 60 Prozent bis 2050.

Das OcCC empfiehlt den Entscheidungsträgern dringend, alles daran zu setzten, dass die Schweiz rasch den Weg zu einem nachhaltigen Umgang mit Umwelt, Klima und Ressourcen einschlägt. Dazu gibt es letztlich keine Alternative.

Hintergrund: Das OcCC (Organ consultatif sur les changements climatiques):
Das Beratende Organ für Fragen der Klimaänderung (OcCC) hat den Auftrag, Empfehlungen zu Fragen des Klimas und der Klimaänderungen zu Handen von Politik und Verwaltung zu formulieren. Es wurde 1996 vom Eidg. Departement des Innern (EDI) und vom Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) eingesetzt. Das Mandat zur Bildung des Organs wurde der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) übertragen. Diese hat rund 30 Persönlichkeiten aus Forschung, Wirtschaft und der Bundesverwaltung eingeladen, in diesem beratenden Organ mitzuwirken. Die Begleitung des Mandates seitens der Bundesverwaltung obliegt dem Bundesamt für Umwelt (BAFU).

Ein Download der Studie ist auf http://www.occc.ch/ möglich


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft


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