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Wettrennen um Elektroauto in China (08.06.2010)

Autos ohne Abgase wären für smoggeplagte Chinesen ein Traum. Und für die Industrie sind Elektroautos vielleicht der Exportschlager der Zukunft. Die Volksrepublik setzt jedenfalls voll auf den E-Antrieb. Können deutsche Konzerne davon auch profitieren?


Mit einem weltweit einmaligen Förderprogramm elektrisiert China die Zukunft des Automobils. Milliarden steckt das Reich der Mitte in die Entwicklung elektrischer Antriebstechnologien. Internationale und chinesische Hersteller liefern sich schon heute ein erbittertes Wettrennen, wer als erster alltagstaugliche Elektroautos auf den größten Automarkt der Welt bringen kann.

E-Mobil_q_wikipedia_gereon_meyer_CC30Neben der Konsolidierung seiner Autoindustrie, die global wettbewerbsfähig gemacht werden soll, ist die massive Förderung von Elektrofahrzeugen ein zentraler Punkt im 2011 beginnenden neuen Fünf-Jahres-Plan. Das Vorhaben ist ehrgeizig: Schon 2012 sollen 500 000 Elektroautos auf Chinas Straßen fahren - heute sind es erst 2100. Die Regierung kündigte diesen Monat ein Pilotprogramm in den fünf Metropolen Shanghai, Shenzhen, Changchun, Hangzhou und Hefei an. Dort wird der Kauf eines Elektroautos mit 50 000 bis 60 000 Yuan für den Hersteller (heute rund 7000 Euro) bezuschusst. Rund fünf Milliarden Yuan (600 Millionen Euro) sind für die Subventionen bereitgestellt worden. Die Zentralregierung steckt zusätzlich eine Milliarde Yuan in Forschung und Entwicklung. Weitere Gelder machen Städte und Provinzen locker, damit ihre jeweiligen lokalen Hersteller vorangehen können.

«Wir wollen davon profitieren», sagt aber auch Volkswagens China-Chef Winfried Vahland über die ambitionierten Förderpläne Chinas. So soll das Herz von VW auf seinem weltweit größten Markt in Zukunft «auch elektrisch schlagen». Die Wolfsburger wollen in China nicht nur unangefochtener Marktführer bei Benzinautos bleiben, sondern auch bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. Bis 2013 oder 2014 wird Volkswagen mit der Serienproduktion eines ebenso markttauglichen wie «sicheren und bezahlbaren» Elektroautos in China beginnen.

Bis 2013 will auch Daimler mit seinem chinesischen Partner, dem Batterie- und Autohersteller BYD (Build Your Dreams), ein gemeinsam entwickeltes elektrisches Auto auf den Markt bringen. Vorstandschef Dieter Zetsche sieht ein «riesiges Potenzial für Elektromobilität in China». Doch chinesische Hersteller wollen voranpreschen. Viele haben schon dieses und nächstes Jahr eigene «E»-Modelle angekündigt. «Heute dreht sich Alles um Geschwindigkeit», sagt Zhao Fuquan, der Vizepräsident des schnell wachsenden chinesischen Herstellers Geely, der gerade den schwedischen Volvo-Konzern gekauft hat. «Es geht nicht darum, wie groß du bist, sondern wie schnell.»

«Uns ist klar, dass die chinesischen Hersteller da gewaltig aufrüsten. Da müssen wir aufpassen», sagt Jörn Hasenfuß, Vize-Geschäftsführer beim Joint Venture Shanghai Volkswagen (SVW). «Aber wir werden sicher unsere Antworten finden.»

Tatsächlich haben die chinesischen Hersteller bei der Entwicklung billiger Batterien für den Massenmarkt etwas die Nase vorn, wie auch VW-China-Chef Vahland einräumt. Doch müssten sich Ingenieure und Autotechniker in Europa, Japan und den USA nicht verstecken, wenn es um Batterietechnologie geht - das heißt, wie viel Energie eine Batterie auf wenig Raum mit geringem Gewicht zu einem guten Preis hergibt.

China erscheint besonders geeignet für Elektromobilität, vielleicht besser als andere bereits entwickelte Automärkte. Chinesen machen seltener lange Überlandfahrten. Pendler fahren meist kurze Strecken bei niedrigem Tempo - allein schon wegen der häufig verstopften Straßen. Nach Umfragen würden 60 Prozent der Chinesen den Kauf eines Elektro- oder Plug-In-Hybrid-Fahrzeugs in Erwägung ziehen. Überhaupt sind Chinesen bereit, neue Technologien auszuprobieren. Auch fördern chinesische Städte schon heute massiv den Aufbau von Aufladestationen.

Für China ist die Entwicklung des Elektroautos zudem eine Überlebensfrage. Bislang besitzen nur 2 von 100 Chinesen ein Auto. Wären es wie in Deutschland 56 auf 100 Bürger, reichte das Benzin der Welt wohl kaum noch aus. Dass der Strom für die Elektroautos in China zu zwei Dritteln aus Kohle stammt und damit keineswegs klimafreundlich erzeugt wird, spielt für die Verantwortlichen noch eine untergeordnete Rolle.

Immerhin tragen die Abgase dann nicht zum Smog der Großstädte bei - selbst wenn sie woanders ein Problem sind und unverändert die Erderwärmung befördern. Allerdings subventioniert die Regierung auch massiv den Ausbau erneuerbarer Energien wie Solar und Wind. Gleichzeitig setzt China voll auf den Bau von Atomkraftwerken - um den Energiebedarf von Milliarden zu decken.


Von Andreas Landwehr, dpa


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